Leserbrief an die GameStar

„Alltag eines Spieletesters“: ‚Hallo GameStar!

Für „Kopfschütteln“ sorgt bei mir der Umgang mit konkreten Details im Artikel „Worüber ich mich bei Presse-Events ärgere“ (Peter Bathge, „GameStar 04/2020“ 91f.): keine Idee eigener moralischer Überlegenheit, kein Verweis auf ein persönliches Schamgefühl und kein „Dekadenz“-Vorwurf (91) helfen dabei, wenn der Name von Firmen und Konzernen, welche für die Vorstellung von Titeln etwa in Luxushotels einladen, erst nicht genannt werden.
Ob „das Review-Event einer populären Shooter-Serie“ (91), oder für „die MMO-Version einer weltweit bekannten Rollenspielserie“ (92). Wie bitte?
Was soll das alles gewesen sein? Eingangs (91), als es noch nicht um dieses Detail ging, wird Zenimax erwähnt: ist auch an dieser Stelle (92) Bethesda mit „Fallout 76“ gemeint?

Selbst als es darum ging eine PR-Veranstaltung eigentlich zu loben, findet sich folgende Bildunterschrift: „Unvergesslich: Bei der Ankündigung eines AAA-Spiels einen Tag vor Start der gamescom spielte an der Event-Location eine Band und es gab passend zum Spielszenario Whiskey und Zigarren für alle Anwesenden. Ach ja, das Spiel erschien letztlich mit haufenweise Bugs. Leider waren da schon alle nüchtern und es gab mittelmäßige Wertungen.“ (92) Zu sehen ist im Bild eine Jazzband. ??? Selbst der Riddler könnte sich ein solches Rätsel nicht schlimmer ausmalen!
Die einzige Ausnahme stellt „Battlefied 4“ (93) dar, vermutlich da die Darstellung des Events kein (abschließend positives oder negatives) Werturteil enthält. Was soll dafür der ganze Rest? Was denkt Ihr Euch dabei?

Einmal ist von einem „Spiel mit China-Szenario“ (??) die Rede (92), dann (93) wieder von einem „Action-Adventure mit großer Filmlizenz“ (?). Der ganze Text liest sich so als ginge es andauernd um indizierte Spiele, deren Nennung womöglich einer öffentlich unerlaubten Werbung gleichkäme.
Stattdessen will es sich der (freie?) Autor, die gesamte Redaktion und/oder gleich Euer Verlag Webedia nicht mit AnzeigenkundInnen verscherzen, keine „guten Beziehungen“ gefährden oder fürchtet um ganz andere „rechtliche“ Probleme in dieser Hinsicht – nämlich was den Ruf der betroffenen Unternehmen angeht. Schlimm genug wenn sogenannte „Influencer“, welche ihre Kontakte und PR-Vergünstigungen auch nicht transparent kommunizieren, davon „seit einigen Jahren“ (91) mit betroffen sind, aber Aufgabe der Presse wäre es im Gegenteil eigentlich die Öffentlichkeit über diese Vorgänge und Machenschaften zu informieren und nicht sich selbst, mit Hilfe des eigenen Gewissens und dem persönlichen moralischen Kompass darüber zu empören, die Zustände selbst aber nach allen Regeln der journalistischen Kunst aufgrund ökonomischer Zwänge zu verschleiern und die Basis wie Titel dermaßen öffentlich zugänglich gemacht werden sollen dementsprechend noch zu schützen.
Ja, einseitige Schuldzuweisungen sind meist völlig unnötig, allein diese Interpretation stimmt: wenn die deutsche PR, so der Tenor des Artikels, um so vieles besser wäre als die US-amerikanische, könnte schließlich auch die deutsche Branchenvertretung um eine Stellungnahme gebeten werden, könnten Verhältnisse darüber differenziert dargestellt werden usw. Doch nicht so.
„Es sind solche Events, die der Spielepresse in Teilen einen schlechten Ruf und den Vorwurf der Bestechlichkeit eingebracht haben.“ (92) Nein: es sind solche Artikel, welche nichts dazu beitragen Korruption zu verhindern, wenn durch den Verzicht auf Namensnennungen Manipulationsversuche erst gedeckt werden. Wer nur bereit ist sich selbst für besser als gewisse Zustände zu halten, aber nicht Klartext zu schreiben, sollte besser gleich schweigen!

Jürgen Mayer, aus Österreich‘

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