Kleine Schau – mit großen Fragezeichen…

Microsoft zeigte gestern (Xbox 20/20) erstmals konkrete Bilder im Sinne der „neuen“ Konsolengeneration. Das dargebotene Material war bestenfalls enttäuschend.

Als Ersatz für die E3 (und darüber hinaus) will der Konzern jetzt monatlich solche (halbstündigen) Sendungen bringen – mit diversen Zuspielern der Third Parties. Zumindest die erste stand dabei ganz im Zeichen des „Homeoffice“, doch wohl als Inszenierung – oder wieso gelang es Microsoft seine beiden MitarbeiterInnen scheinbar nur vor das hauseigene Skype zu bringen, aber Electronic Arts konnte dagegen (für „Madden 21“) einen Football-Spieler professionell ablichten?

Und auf „play anywhere“ (zwischen Xbox One und Windows 10) folgt nun „smart delivery“. Gemeint ist, dass das jeweilige Gerät für Inhalte korrekt erkannt wird. Im Einzelhandel dürfen sich diesbezüglich wahrscheinlich Sticker vorgestellt werden – Hinweise auf der Rückseite von Xbox One-Verpackungen: der „Sprung“ von Xbox One S auf Xbox One X kann deshalb allein von der Distribution her logistisch ähnlich wirken.

Mit Covid-19 hat das jedenfalls nichts zu tun – Microsoft scheint das von Anfang an so geplant zu haben: fast wirkt es auf mich deshalb schon so wie die weiche Variante des PR-Desasters 2013, der Disc-Aufgabe, denn für die neue Konsole „Xbox Series X“ dürften dann durchaus große Datenmengen aus dem Netz anfallen (und sich auf den Scheiben selbst in erster Linie Xbox One-Daten befinden). Die 100GB-Laufwerke sämtlicher neuerer Xbox One-Konsolen (S, X und „Series X“) nimmt Microsoft für Spiele jedenfalls weiterhin nicht in Anspruch.

Weshalb eine neue Konsole „Serie“ heißen soll, obwohl bislang nur ein Gerät angekündigt wurde, entzieht sich dabei weiterhin sowieso meinem Verständnis.

Wie dem auch sei: der Sizzle, den Microsoft gestern zusammen mit seiner Sendung veröffentlicht hat, erhielt bislang auf YouTube nur 2/3 Zustimmung – es darf davon ausgegangen werden, dass sich unter den Downvotern nicht nur Sony-Fans befinden.

Manche Inhalte sahen tatsächlich so aus als könnten sie auch für die Switch umgesetzt werden. Codemasters steuerte etwa „DIRT 5“ bei – parallel dazu erschien auch ein Trailer für PS4 und PS5 (Unterschiede konnte ich keine feststellen): auffallend zunächst das statische Publikum – alles daran erinnert mich an „Minecraft RTX“.

Es soll damit offenbar die RT-Fähigkeit der auf RDNA2 basierenden Konsolen unter Beweis gestellt werden. Das Ergebnis wirkt jedoch höchst aufgesetzt auf mich (wie eine Stilisierung in Richtung Cel-Shading).

Dass SEGA mit seinem Ryu Ga Gotoku Studio auf die Xbox (und deren Game Pass) strömt ein alter Hut: es ist zwar sehr erfreulich, dass für „Yakuza 7“ so nicht mehr unbedingt auf die PS4 zurückgegriffen werden braucht, aber die neue Xbox damit ankündigen zu wollen dennoch mehr als absurd zu nennen. Wenig sah überhaupt nach „Next-Gen“ aus. Am Ende einigermaßen „Assassin’s Creed – Valhalla“, für das Ubisoft momentan eine beispiellose PR-Kampagne durchzieht, ja, aber bereits der Einstieg mit dem PC-Titel „Bright Memory“ verhieß nichts gutes: RT-Fähigkeiten als Alleinstellungsmerkmal? Na danke. Sehenswert war wirklich wenig – etwa die überraschend sexuelle Giger-Verwurstung „Scorn“ (auf Steam seit Ende September 2018 angekündigt!):

Highlight der Show war da schon das „Medium“, der neue Titel des polnischen Bloober Team (inklusive EU-Förderungshinweis):

Die Mittel von Microsoft waren gestern zwar vermutlich ganz bewusst begrenzt worden – tröpfchenweise soll auf die neue Xbox eingestimmt werden – doch bleibt so oder so erstmal abzuwarten ob die Saat aufgehen wird. Vorerst wirkt alles nur wie ein weiterer Xbox One-Refresh: gut möglich, dass es den Redmondern gelingt ihren Turm noch heuer unter die Leute zu bringen, weil sie die stärkere aber einfachere Technik haben, und Sony die PS5 wegen irgendeiner Unterbrechung in der Lieferkette (vor allem bei ihrer überaus kompliziert wirkenden SSD-Lösung) auf nächstes Jahr verschieben: trotz des dann zeitlichen Vorsprungs (wie 2005 als sie mit der 360 gewonnen hatten) wäre Microsoft so eindeutig im Nachteil, sollte es ihnen nicht gelingen zu kommunizieren für was eine neue Investition bei ihnen gut sein soll, wenn Inhalte lediglich „optimiert“ neu verteilt werden.

Sony verfügt so jedenfalls über die eindeutigere Botschaft: die PS5 ist die PS5. Dass nicht alle PS4-Titel darauf laufen werden unterstreicht diese Message sogar eher noch.

Nachtrag zu „DIRT 5“: laut Digital Foundry gäbe es keinen Hinweis auf Raytracing bei dem Titel. Stattdessen sollen 120hz angepeilt werden. Mein technischer Eindruck hätte mich damit getäuscht und wäre allein auf die verwendete Ästhetik zurückzuführen. Darüber hinaus seien (wenigstens) die ersten Szenen im „Medium“-Trailer (oben) nur vorberechnet gewesen – was mir ebenfalls nicht aufgefallen wäre. Na ja.

Comment: ‚As I understand it all games shown up to this point should run on Xbox One too. That’s what „smart delivery“ means.

To my understanding, Microsoft actually somehow prohibits next-gen only titles. Still hoping I get something wrong with this, but the form of delivery they chose for the near future is still „optimization“. This is very much like it was back in 2017 with Xbox One X.
All new games must run on Xbox One too. Until further notice.
So this is not just a transition period but something that should be of great concern regarding the regular launch of a new console generation.
Especially in retail, where I don’t think there will be any kind of „Xbox Series X“ exclusive packaging for example. At least not this holiday.‘

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