Vor erstem rechtem Agitprop auf Steam

Angedachte Veröffentlichung am 10. September. Noch dazu aus dem deutschsprachigen Raum und auf der kulturell momentan relevanten „Cyberpunk“-Welle schwimmend – inklusive schon jetzt verheerender Zustände im zugehörigen Forum. Erste Presseberichte werden nicht mehr lange auf sich warten lassen – Kommentar (nicht öffentlich): „Wirklich kaum zu glauben. Eine äußerst dunkle Stunde für Steam und für dessen angeschlagene Wahrnehmung keineswegs zuträglich.
Bedenklich vor allem wie professionell es wirkt und welche Ressourcen dieses Projekt verschlungen haben musste. Sollte es etwas kosten (kommerziellen Charakter haben) würde Valve davon direkt profitieren…

Da trifft es sich beinahe als glückliche Fügung, dass erst kürzlich das Southern Poverty Law Center über die Gruppierungen berichtet hatte – was letztlich zu deren Deplatforming führte. Es dürfte sich jedenfalls um die erste Veröffentlichung in dieser Form handeln (mit direktem Bezug zum einschlägigen Aktivismus).
Entfernt werden könnte es am ehesten wohl als Hetze gegen Homosexuelle – wegen dem für die Organisation des politischen Gegners gewählten Namens (eine englische Version wird es nicht geben). Dass das bei der Aufmachung nicht bedacht wurde macht mich skeptisch: vielleicht doch vor allem ein Video und damit ein Publicity Stunt.“ Nachlese„IS Defense“.

Nachtrag 8. September: ‚Bei etwas wie „Gefahr in Verzug“ ist wohl die „Eilindizierung“ immer eine denkbare Option, ein gangbarer Weg für die BPjM. Selbst wenn diese nicht öffentlich bekannt gemacht werden darf, weil „Telemedium“. Gilt doch noch immer, das heißt ist so nach wie vor richtig, oder?
Ehrlich gesagt wundere ich mich über diese Vorgangsweise(n) aber so oder so schon schwer, auch ohne Skandalisierung durch Presseorgane: hätte nicht gedacht, dass das alles ernsthaft erwogen werde würde. Da kann LGBTQ+ doch nur ein Bärendienst erwiesen werden: ich meinte vielleicht kann Valve dazu bewogen werden darauf zu verzichten Geld von denen zu nehmen, immerhin steht ein Verleger wie Philip Stein mit seinen kolportierten Haverbeck-Kontakten selbst von weit rechts aus gesehen am äußersten rechten Rand (ohne noch Neonazi oder Nationalist zu sein), Jungeuropa eigentlich rechts vom Schnellroda-Kern und dürfte etwa kein AfD-Mitglied werden (wieder mal mit Verweis auf Sayn-Wittgenstein).

Ich meine jedoch (trotzdem) dass nichts in diesem publizistischen Umfeld je indiziert wurde, wieso also (gerade) dieses Werbe-Videospiel? Nur weil es einem Huberts, Böhmermann, mir oder sonst einem (anderen) Komiker nicht gefällt?
Kurzum noch die Frage: was soll daran jetzt eigentlich erneut „demokratisch“ sein, an diesem „Kampf gegen rechts“? Also das habe ich mit meiner „Kritik“ an dem „Spiel“ sicherlich nicht gemeint und ich distanziere mich von der (Form von) Kritik vorsorglich auch wieder, wenn das nun gleich so ausarten soll. Das halte ich nämlich gleich wieder für völlig verantwortungslos. Und da bin ich erneut heilfroh (sic!), dass ich im Süden Österreichs lebe und einer wie Mag. Dvorak-Stocker bei seinen Unternehmungen nebenan solche Phänomene nicht zu befürchten hat.‘

13. September: die Frankfurter Rundschau liefert nun dankenswerter Weise eine Teilbeschreibung der „Spiel“inhalte, wonach der Titel entgegen den eigentlichen Gepflogenheiten der Szene in den letzten Jahren durchaus strafrechtlich relevant sein könnte. Unter anderem ist dort von einer rassistischen Karikatur die Rede.

19. September: ‚Nicht unbedingt.
Ich melde nicht unbedingt etwas, wenn mich jemand beleidigt hat.
Ich tue das dann, wenn ich in einem öffentlichen Forum bin und es um ein allgemeines Thema ging. Poste ich hingegen in diesem Teil von Steam hier etwas habe ich mein Interesse daran quasi schon bekundet – was ich etwa hiermit auch nicht tun möchte, weshalb ich extra darauf hinweise.
Die Zustände in diesem Community-Forum sind offensichtlich ohnedies bereits verheerend genug.

Und Überparteilichkeit erachte ich als hohes Gut – was heutzutage fast schon unvorstellbar erscheint.
Ich las früher beinahe täglich die Sezession, bevor nicht gewusst werden konnte ob dort nicht doch ein „Beitrag“ von jemandem aus dem Verfassungsschutz gelesen wird, postete dort aber nichts. Genauso halte ich es mit anderen einschlägigen Publikationen aus dem in sich selbst doch auch zerstrittenen und keineswegs so homogenen Umfeld (wie es im „Kampf gegen rechts“ immer getan wird) – wie der JF, „Aufgeblättert. Zugeschlagen“ etc.
Ich schätze den Pluralismus wirklich sehr und möchte ihn zweifellos nicht missen. Und ich bilde mir meine Meinung gern abseits der Diskurse bloß verstärkenden Breitenmedien. Selbst wenn ich weit davon entfernt bin nationalkonservativ, oder überhaupt bürgerlich, zu sein. Ich bin zwar Katholik, aber in erster Linie auch marxistisch geprägt. Solange dabei kein Verfassungsbogen überspannt wird gratuliere ich trotzdem, wenn jemand politisch „rechts“ orientiert ist, denn jegliche LehrerInnenmentalität ist mir ein Graus: die moralische Mehrheit von heute privilegiert „links“ lehne ich ebenso strikt ab wie jene auf der rechten Seite bis in die 1980er Jahre hinein. Beide hielt und halte ich für überaus bedrohlich und repressiv. Dennoch ist es mir ein Anliegen auf autoritäre und antidemokratische Tendenzen hinzuweisen, wenn diese – wie hier – sich den Zeitgeist umhängen, auf „Cyberpunk“ machen und meinen, bei irgendwas mit „Heimat“ können die anarchischen Implikationen des Punk schon übersehen werden – das eigene Publikum (erfolgreich?) für so unsagbar blöd gehalten: anarchisch wie in Anarchismus (also böse links) wohlgemerkt, nicht wie den Venator von Jünger.

Hier geht es jedoch vor allem darum, dass sich Valve um ein ausschließlich deutschsprachiges Produkt mit eben solchem Publikum offenkundig zu wenig kümmert – es einfach nicht vorstellbar ist, dass analog eine entsprechende US-Organisation hier auch nur irgendetwas ankündigen darf – geschweige denn veröffentlichen.
Valve ist zwar keine öffentliche Firma (im US-wirtschaftlichen Sinne) und deshalb mit Konzernen wie Microsoft oder Facebook nicht wirklich vergleichbar, sie agieren aber dennoch global und haben bei den PC-Spielen weiterhin eine dominante Marktposition inne – die entsprechende Verantwortung mit sich bringt. Und da meine ich: fast gar nicht zu kuratieren geht einfach nicht – die Anzahl der Veröffentlichungen sind in den letzten Monaten zwar deutlich zurückgegangen, aber größtenteils immer noch schlimm. Und mit diesem Titel hier betrifft das eben nicht nur qualitativ fragwürdige Produktionen, sondern auch politisch Bedenkliches mit hohen Produktionswerten (weil die Spendengelder von Vereinen wie diesem hier beträchtlich sein müssen).

Auch wenn die Veröffentlichung jetzt immer weiter hinausgezögert wird, totgeschwiegen werden soll usw. usf. Und es geht auch wirklich nicht nur um den deutschsprachigen Raum – in anderen fremdsprachigen Märkten wird es hier auf Steam durchaus ähnlich sein und übel zugehen.
Kurzum: Valve sollte selbst (besser) wissen mit wem sie kooperieren, von wem sie Geld nehmen, was sie zulassen usw. Das sollte wirklich keine Aufgabe irgendwelcher DenunziantInnen sein, ob hier oder auf Twitter, sonst handelt es sich nämlich wirklich um so etwas wie „informelle Mitarbeiter“. Valve sollte direkt informiert werden, wenn sie es tatsächlich nicht besser wissen mit wem sie es hier zu tun haben – und dann sagen ob sie das wirklich haben wollen, hier zulassen wollen, sowie sich erklären. Und nicht länger schweigen – dem ohnehin schon angeschlagenen Ansehen ihrer Plattform und dem ganzen Medium zuliebe.‘

Kommentar: ‚“Frauen kommen lediglich als Spielgegnerinnen vor, die Hauptfiguren sind männlich.“

Soll das heißen, dass wenn Frau Kositza als DLC käme und mit ihren Büchern um sich werfen würde, dann wäre das für Euch gleich wieder ein Pluspunkt? Ist Euch das Euer absolut widerwärtiger Geschlechterkampf wirklich wert?
Deshalb ist Euer Antifaschismus nichts wert und genau so wird Pressefreiheit missbraucht.

Erinnert mich an die „differenzierte“, grünbraune Lorenz-Apologetik durch Klaus Taschwer vor fünf Jahren: er mag zwar am geistigen Fundament des Krankenmordes fleißig mit gebaut haben und seinen Biologismus nach dem Kriege sogar noch verfeinert haben, aber sein Vorbild hat immerhin die Au gerettet und das Kernkraftwerk verhindert. Pfui!‘

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