Valve entfernt rechtes Agitprop von Steam

Spät, aber doch noch vor einer Veröffentlichung (und zugehörigen Verein als Publisher gleich dazu). Mit wirren Anschuldigungen – nicht öffentlicher Kommentar: ‚Diese „Jesus“-„Spiele“ fallen wohl noch unter die üblichen Definitionen von „Trash“ und „Satire“. Das dafür verantwortliche Label hat zudem auch einen der typischen „Trump“-Titel in petto: würde das begonnen werden zu entfernen, müssten sie auch die unzähligen Putin-Nawalny-Elaborate, welche hier über die Jahre aus Russland erschienen sind, entfernen (die sind nicht einmal unbedingt auf den ersten Blick erkennbar und können sich erfahrungsgemäß sogar in Erotik aus dem RPG-Maker verstecken).
Mich würde vielmehr interessieren was die genau mit der Behauptung meinen hier würde es „Antifa“-Produktionen geben? Allein die Diffamierung von „Tonight We Riot“ als „linksextrem“ bleibt diesbezüglich haarsträubend.

Ausschlaggebend war wohl der (in Deutschland eingetragene) Verein an sich: ich behaupte mal so jemand hat hier noch nichts veröffentlichen wollen, jedenfalls nicht so dass es jemandem aufgefallen wäre – das wars.

(…)

Der Marxismus ist auch eine Grundlage der Sozialdemokratie, mindestens eine von zwei Säulen – die andere von verschiedenen, zeitweisen Gegenpolen und „Kritikern“ wie Walter Benjamin besetzt. Und der Marxismus hat letztlich auch die christliche Soziallehre befruchtet (in Deutschland als Fundament der beiden Unionsparteien) – bis hin zur Befreiungstheologie aus Südamerika. In Österreich nach der katholischen Diktatur und dem Zweiten Weltkrieg die Versöhnung mit der ArbeiterInnenschaft durch Franz Kardinal König.
Also das geht schon in Richtung „Kulturmarxismus“-Vorwurf. Genauso gut kann der Universalismus, der Liberalismus an sich, das Denken eines Max Webers etc. so empfunden werden (der Marxismus ist darüber hinaus genauso wenig auf seine Polemik der Religionskritik zu reduzieren, wie etwa der Katholizismus auf seine rigide Sexualmoral).

Der „Gewalt“-Vorwurf vielmehr typisch konservativer Reflex, wonach „linksextrem“ alles sei das zu Anarchie im Sinne von Aufruhr und Gesetzlosigkeit führe, ein Denken das zivilen Ungehorsam nicht gelten lässt usw. Das jedoch noch aus einer Zeit stammt als die moralische Mehrheit, das Recht, eindeutig rechts war – was heute eindeutig nicht mehr der Fall ist und fast nur noch lächerlich wirken kann.
Protestformen die Militanz und Randale begünstigen könnten genauso gut als Ausdruck von Hilf- und Ziellosigkeit begriffen werden, sowie als menschliches Versagen.
Und wo das Spiel mit „Jesus“ im Titel wie das menschenverachtende Machwerk „Ethnic Cleansing“ wäre sehe ich jetzt vorerst auch nicht. Wer das für eine ernsthafte Repräsentation des Christentums hält glaubt vermutlich auch, dass Gott die Vorstellung eines übernatürlichen Wesens wäre (habe ich leider oft genug schon lesen können).

Reaktionäre ChristInnen werden sich dadurch jedenfalls kaum angesprochen fühlen.
Genauso -wenig- wie dem rechten Verein hinter dieser „Heimat“-Nummer die aufgesetzte Punk-Attitüde gut steht, der in seiner Stellungnahme jetzt aber selbstredend vor „Gewalt“ und „Pornographie“ hier auf Steam warnt – also gewissermaßen zur alt-rechten Kulturpolitik plötzlich zurückgekehrt ist.
Das könnte dann ebenfalls die „Postal“-Verfilmung von Dr. Uwe Boll betreffen, der vom Spiegel vor Ewigkeiten einmal als „Rechtspopulist“ betitelt wurde. Und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit kann ich auch bei der Feststellung giftiger Männlichkeit sehen, der angeblich viele (selbsternannte) „Linke“ anhängen (die andere „Männer“ als Geschlechtsgenossen davor bewahren wollen) – wie es bei der „Jungen Freiheit“ kürzlich hieß. Nicht alles links von Beatrix von Storch und Gevatter gleich linksextrem.‘

Auf itch.io ist noch (allerdings ohne Inhalt) die Seite der offenbar eigens für diesen Werbe-Zweck 2017 aus dem Boden gestampften Devs aufrufbar – die aber wiederum wohl besser nicht mit einem gleichnamigen Label aus den Niederlanden (und anderem Twitter-Account) verwechselt werden sollten. Nachlese

Diese Sponti-Assoziationen von „Linksextremismus“ mit „Gewalt“ (und vielleicht sogar „Pornographie“) sind dabei wirklich Kulturpessimismen par excellence (Link erspare ich mir gleich). Sie sind darüber hinaus genauso falsch und absolut unsäglich wie Rechtsextremismus darauf reduzieren zu wollen. Sie gehen ungefähr immer so: wenn ich mich einer Debatte entziehen möchte oder mir dabei die Argumente ausgegangen, das heißt wenn mir etwas einfach nicht gefällt, dann werfe ich „Gewalt“ vor – als moralische Gewalt. Und erinnern vielmehr an Witta Pohl über „Chaoten“ in „Diese Drombuschs“, also allertiefstes, bürgerliches Dünkel-Deutschland.

Ja, das Internet-„Gesetz“ dieses unmöglichen Herrn Godwin – nichts anderes als ein gottloser Verlust, mit der Nazizeit, dem „Stürmer“: der Bezug von Migration auf Gewaltverbrechen, vornehmlich Sexualverbrechen. TäterInnen-Opfer-Umkehrungen inklusive.

Wo der „Konsum“ von „Pornographie“ für gewöhnlich vielleicht tatsächlich im Boulevard anfängt und dort auch gleich wieder aufhört – bei der Beschreibung irgendwelcher Handlungen durch die lüsternen Fremden, die „gefährlichen“ Anderen, welche „unsere“ Innenstädte belagern würden – das Eigene in Schach haltend.

Ein linksextremes Computerspiel stelle ich mir jedenfalls ganz anders vor: es wäre vielmehr eine biedere, typisch deutsche Wirtschaftssimulation. Ein Spiel mit Zahlen wie andere, nur ohne dass dabei anderen bei der Arbeit zugesehen werden könnte – dieser sozialvoyeuristische Blick den Spielenden vollends entzogen: die BMW-Führungsriege würde darin etwa enteignet werden und die Motorenwerke den Bayern vermacht.

Nachtrag: ‚Bezüge zur Evangelikalen kann ich bei diesen kruden Titeln immer noch keine erkennen – weder ästhetisch noch inhaltlich. So wie ich meinte dass Gott kein natürliches oder übernatürliches Wesen wäre, kann Christus auch kein „Manderl“ sein das herumrennt und dabei anderen schadet. Das sollte in jedem Fall als Blasphemie wahrgenommen werden, wobei evangelikale Titel wie „Left Behind – Eternal Forces“ auch ganz anders gelagert sind.
Sicher kann und sollte darüber diskutiert werden weshalb dieser „Karen Simulator“ nicht als misogynes Machwerk skandalisiert wurde, aber dafür eher ein Melodram wie „*apeLay“. Das würde ich sogar anregen.
Nur Frauenfeindlichkeit in dieser Form verträgt sich halt auch nicht wirklich mit einem rechtsorientierten Frauenbild – mit Frauen als „Ehefrauen“ und Gebärenden, Müttern. Es müsste sich schon um eine spezifische Form von „Incel“-Nazis handeln, wo wir wieder bei GamerGate wären:

mir tun Leute die so etwas gedankenlos fabrizieren vor allem eins – leid. Mit einiger Begründung kann Gewalt jedoch überhaupt kein Ausdruck von Politik mehr sein. Bei Rechtsextremismus wird hier in Österreich gern wohl immer noch die Definition von Willibald I. Holzinger (1993) bemüht – diese kreist um den Begriff der Volksgemeinschaft, das heißt auch nicht Gewalt. Analog wird das in Deutschland (spätestens seit der Maaßen weg ist) nicht anders gesehen werden.
Linksextrem wäre auf der anderen Seite wiederum eher eine politische Ausdrucksform die kollektiv darauf abzielt die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu zerstören, Residuen der Bürgerlichkeit wie Kapitalismus und (relative) Religionsfreiheit. Hierzulande wurden diesbezüglich etwa die Oktoberstreiks 1950 als Putschversuch wahrgenommen, welchen der rechte Flügel der Sozialdemokratie abgewehrt hätte.‘

Ergänzung: als ich noch studiert habe hat es immer geheißen, dass die Deutschen eine gänzlich andere Vorstellung von Rechtsextremismus als „wir“ hätten. So wie es am Ende dieses Textes zum Vorschein kommt. Ich bin mir eben nicht mehr so sicher, dass das immer noch zutrifft wenn nunmehr Publikationen wie die „Sezession“ als Verdachtsfälle gelten und vom (deutschen) Verfassungsschutz überwacht werden: die Unterscheidung zwischen Neonazismus und Rechtsextremismus bleibt so auch in Deutschland (weiterhin) möglich und in der Öffentlichkeit erhalten.

Update: noch etwas tiefer in jene auf Steam zugelassene Firma (?) eingetaucht, die ich (wie die eindeutig rechte) nicht nennen werde und über die ich hier teilweise doch etwas geschrieben hatte, das heißt sich noch zusätzlich kurz Titel wie „Simp Slayer Simulator 2K20“ angesehen, der als „Komödie“ ausgewiesen wird, lässt sich nicht einmal die Bemerkung über Frauenfeindlichkeit (allein) noch recht aufrecht erhalten. Ohne Urban Dictionary komme ich bei dieser geballten Ladung an Menschenverachtung überhaupt kaum aus: forsche Begriffe wie „Simp“ und „coomer“ klingen für mich jedenfalls wie männer- und pornografiefeindliches Zeug das sich nur ein angeblich „progressiver“ Gelehrter der „boner culture“ ausgedacht haben könnte. Pfui Teufel.

Über pyri

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