Zum Westdeutschen Rundfunk

Wie sagte Bruno Latour so schön? Sind nie modern gewesen.

Kommentar: *Äußerst problematisch an dieser kolportierten Stellungnahme des WDR bleibt die Behauptung, dass „Personengruppen sich Verfehlungen leisten, schuldig werden oder straffällig“. Ich habe sie im Original jetzt zwar nicht gefunden und ich nehme an, dass das für diesen Artikel auch nicht gelang (weshalb sie aus dem Beitrag von Tom Uhlig zitiert wurde), aber sie beschäftigt mich nun schon länger sehr (also diese angebliche Stellungnahme des WDR).
„Personengruppen“ können das alles nämlich überhaupt nicht. Und sie (die Stellungnahme) kann und sollte deshalb selbst als gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Antisemitismus usw. angesehen werden. Gewissermaßen wird es sich aber „nur“ um den völlig verunglückten Versuch einer Rechtfertigung handeln, um „Geschwurbel“ – wie Leute so gerne reflexartig sagen die ich nicht leiden kann.
Was mir fehlt bleibt jeglicher Hintergrund: ja, gut möglich, dass sich hinter dieser mondänen Internationalität eigentlich etwas ganz anderes verbirgt. Dass es allein vom Erscheinungsbild her Anzeichen und gute Gründe dafür gibt zu glauben, dass hinter dem scheinbaren Hedonismus der Kunstfigur stand-up-Askese steht. Dass selbst das Bild der Nazifiguren Ingrid Thulins und deren Exaltiertheiten zur Konterkarierung jeglichen Bieder-Spießigen (Figuren von denen ich immer noch überzeugt bin) hier völlig falsche Fährten liefern.
So wie jemand der bei Falco einmal nachhaken wollte erfahrungsgemäß durchaus in nichts als einen geistigen Abgrund blicken konnte. So gut und grandios sich alles an der Oberfläche auch immer anhört und liest. Ja ich wäre nur allzu geneigt die Autorin zu verteidigen, aber meine so weitaus eher dass selbst ein Roy Black wohl ehrlicher gewesen sein müsste.

Ich bin wie die Autorin in Leoben geboren und glaube, dass sich keine Biographie davon je soweit entfernen (oder erholen) kann wie es diese Biographie suggeriert. Graz ist ebenfalls immer noch eine Hochburg der rechten Publizistik. Dazu passt die gewissermaßen deutschtümelnde Faszination (Goethe usw.), ein Mentor wie Dieter Nuhr etc.
Die Tradition des Bergbaus verband hier in der Gegend den Gutteil des letzten Jahrhunderts mit den Burschenschaften und (an der repräsentativen Oberfläche) einer prononciert ländlichen, rechten und im wahrsten Sinne des Wortes mehr oder weniger zurückgebliebenen Spielform der Sozialdemokratie (wie sie Peter Turrini für Kärnten zu Haider-Zeiten einmal beschrieb): der englische Revisionist David Irving trat vor Jahrzehnten in diesem Umfeld offenbar regelmäßig auf. Schnellroda (den Kubitschek-Leuten) gelang es bis vor kurzem jedenfalls noch im steirischen Süden Veranstaltungen zu organisieren.
Das Urbane und das Moderne können zweifellos viele Gesichter tragen ohne dabei ehrlich sein zu brauchen. Es kommt ganz auf das Milieu und das soziopolitische Biotop an – welche kulturellen Formen dieses auch immer annehmen, gebären mag.*

Kommentar von Tom Uhlig. Zum Frauenbild lesenswert: Eva Menasse in der ZEIT.

Über pyri

PYRI / / (Pyri) / —— pyri. Steiermark/styria
Dieser Beitrag wurde unter "Kritik", Allgemein, Almrausch-Urteile, Almrauschen, Alternative Lebensweisen, Arbeitswelt und Realismen, Ästhetische Belange, Österreich, BärInnendienste, Biologismus, Chauvis, Der Mayer ging zur Presse..., Deutschland, Freiheiten, In eigener Sache, Retrospektiven abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s