Auszüge von Steam

Nachlese. 14. Jänner – nicht öffentlich: ‚(…) Dass Klinge in seinem „zweckmäßigen“ Op-Ed/Leitartikel auf den konkreten „Fall“ nicht näher einging, sondern dafür andere Beispiele explizit nannte, lag wahrscheinlich daran, dass es ja schon zu einem klärenden Gespräch gekommen sei und er nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen wollte wenn er die Umstände damit wieder aufwärmt.

(…) Dabei bin ich gegenüber Webedia momentan äußerst milde eingestellt, da sie gerade eine wirklich tolle Sex-Reportage in ihren Heften haben (auch wenn ich den Geschmack der Autorin bezüglich „Seduce Me“ & Co. bereits 2015 nicht teilte).
Von der Apologetik für Meta-Antirassismus-Rassismen à la Zizek (und vielleicht Sonneborn) halte ich gar nichts, sondern ich finde vielmehr die gesamte Kommunikation falsch und verkehrt: wer in diesen Kreisen so als Streamer oder Influencer auftritt würde ich jedenfalls bereits als privilegiert betrachten. Ganz unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Identität, wobei der westliche oder eurozentrische Blickwinkel dabei sowieso meistens bestehen bleibt.

Der Blickwinkel allein schafft dann auch solche „Wahrheiten“, wobei es wohl wiederum und immer wieder um ein sich-abarbeiten an so Stehsätzen wie „ist nur ein Spiel“, „Satire darf alles“, „das wird man wohl noch sagen dürfen“ (hier bei diesen Beispielen besonders stark vertreten) usw. geht. Ein Diskurs ohne Ressentiments sollte halt weiterhin irgendwie noch möglich bleiben. Nur: wer sich gegenseitig mit Keulen die Schädel einschlägt und genau dabei „Spaß“ haben will, aber nicht durch gesellschaftliche Begleitumstände gestört werden, also sobald ich eine solche Bemerkung auch nur beiläufig äußere werde ich dort umgehend als „Troll“ (gegen Gewalt in Computerspielen etc.) verunglimpft und ausgeschlossen. So schnell kann ich nicht schauen.

(…)

Zur Titanic-Partei wollte ich noch sagen, dass sich „Satire“ und „Angriffe“ eigentlich gegenseitig ausschließen: wer keine „Angriffe“ haben will, dürfte konsequenter Weise auch keine Satire zulassen. Laura Dahmer irrt bei der ZEIT gewaltig: nein, Satire darf vieles wirklich nicht, aber vor allem keine Schlagseite aufweisen. Das zu glauben kann im besten Fall nur ein großer Irrtum sein.

Sobald Satire das nämlich tut wird sie zur Reklame für eine Sache, zu einem Public Service Announcement vulgo Propaganda.
Monty Python hat etwa keine Werbung für eine bestimmte Idee gemacht: das taten einzelne Mitglieder nur viel später. Sebastian Brant war in erster Linie zur allgemeinen Belehrung und geistigen Erbauung da. Und der Narr am mediävistisch erforschten Hof erfüllte keineswegs die Funktion eines Eindringlings der einfachen Leute dort, er fühlte sich im Idealfall ganz wohl – war sogar (ständig) benebelt oder verhielt sich eher wie ein Komplize – war jedenfalls kein Vorbild. Die Leute wären heutzutage vermutlich sehr schnell empört über solch unmoralische Typen. Der Humor früherer Tage war vielfach richtig schlimm, verletzend da nur der Anfang – ein Urteil das aber immer wiederkehrt, so wie jetzt, das heißt ein Phänomen das über mehrere Generationen hinweg mit der politischen Korrektheit nichts zu tun haben kann.

(…)

Und es ist auch keine Frage was die oft genug geleugnete Cancel Culture so alles anrichtet. Nur der Humor wurde über die Jahrhunderte trotzdem immer zahmer, zivilisierter, raffinierter und wohl auch intelligenter. Ein John Cleese oder Martin Sonneborn können, ob „gut verdienend“ (Sonneborn im EU-Parlament) oder anscheinend dauernd broke (wie Clesse, jedenfalls so broke dass er zuletzt in irgendeiner Wiener Absteige mit unserem Nationalkomiker Niavarani ständig auftrat) da nicht mehr mit. Ein Ärgernis wie ich hat sowieso ganz andere Vorstellungen von Liberalität und ändert seinen Humor seit der Steinzeit-Kindheit nicht mehr: ich kann sogar über Peter Steiner lachen.

(…) Also den „Chef“ würde ich nicht mehr verteidigen wollen. Kurz vor Schluss gab mir dieses Posting nämlich den „Rest“: https://www.gamestar.de/xenforo/threads/artikel-sexismus-debatte-um-rust-wer-das-verharmlost-macht-sich-mitschuldig.470266/page-29#post-19715893 Das liest sich benevolent, locker-flockig, konziliant regelrecht, aber hat es an einer Stelle in sich. Mit Abstand das schlimmste was ich dort gelesen hatte: „Man kann nur hoffen, dass eine Mehrheit sich davon nicht berirren lässt und dem widersteht. Evtl. müssen wir uns dazu auch noch mehr bekennen als bisher.“ Geliked von u.a. Heiko Klinge himself.
Ob Bekenntnis nur als Emphase gemeint oder tatsächliche Abgrenzung soweit…

Ich fürchte so etwas könnte es dann durchaus auch ins nächste op-ed schaffen: die Aufforderung sich zu „bekennen“, also nicht nur „Haltung“ zu zeigen, zu sagen wer von etwas betroffen sein könnte und wer nicht, sondern die Forderung sich zu „bekennen“ soweit. Das lieber verschweigen statt „reproduzieren“-wollen passt da schon dazu – so wird schließlich ein „Geheimnis“ aufgebaut, als nächste Ausbaustufe einer gleichgesinnten Gruppe.‘

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