Zum neuen Rassismus als „Antirassismus“

Auf Steam (nicht öffentlich): ‚Wer über das „Vorrecht“ einer bestimmten, eindeutig definierten Gruppe von Menschen spricht kann deshalb keinen antirassistischen Diskurs aus inhaltlichen (und nicht semantischen) Gründen führen, da mit keinem „Recht“ Unrecht einher geht. Gemeint mag unter Umständen in Wirklichkeit Dominanz (Herrschaft) sein und diese gelte es zu brechen um Gerechtigkeit herzustellen, aber wer Privilegien nach bestimmten Gesichtspunkten gedanklich verteilt tut nichts anderes als Zuschreibungen mit einem finiten Anspruch der einfach nicht eingehalten werden kann zu äußern.
Wer etwa „weiß, männlich, heterosexuell“ definiert und damit eine diesbezügliche Äußerung beendet reproduzierte allein mit dieser Äußerung bereits notgedrungen all das was so vorgegeben wird damit zu bekämpfen.

Übte sich mitunter ganz, das heißt ohne jegliches Verständnis für die eigene Handlung, in TäterInnen-Opfer-Umkehrung: erhalten bleiben mag dabei lediglich ein Vorteil (advantage) von vielen, aber keinesfalls ein „Privileg“. Abgesehen von unerwünscht rassistisch bedingten Hautfarben als Vorteilen kann so ein Vorteil etwa auch eine abstrakte Größe wie ein Talent sein, das niemand als Ungerechtigkeit ernsthaft zu bekämpfen sucht.
Es kommt allein auf die Reduktion des Menschen auf ein Bild (Lyotard) an. Wenn so jemand etwa nicht dazu sagt „mit Down-Syndrom“, weil das abwegig, polemisch oder im schlimmsten Fall sogar als lächerlich empfunden wird.

Ein „Zusatz“ der darüber bestimmt dass so jemand – über die eugenische Indikation (hier in Österreich) in verschiedenen Varianten (also den Schwangerschaftsabbruch mit embryopathischer Indikation) unter Umständen und meist aus in absolut perfider Weise sehr „progressiv“ verstandenen Gründen – nicht einmal geboren wird. Und darin liegt die Bigotterie dieser aus meiner Sicht als „betroffener“ Mensch mit Behinderung nicht nur kontraproduktiven, sondern zutiefst menschenverachtenden und gegenüber sämtlichen Abweichungen äußerst unsolidarischen Artikulation. Als ein Beispiel.

Zu einem anderen (Negativ-)Beispiel ein „talking head“ aus dem Fernsehapparat. Wenn der kleine Bruder des Gouverneurs von New York auf CNN als Antwort diverser Schuldzuweisungen „white people“ zum schlechtesten gibt, so erfüllt er damit (auch) eine gewisse Funktion: genauso wie seine „Befreiung“ aus seiner Covid-Quarantäne sein Sender wirksam inszenieren konnte, obwohl er diese nachweislich bereits vorzeitig verlassen hatte und etwa meinte in seiner näheren Umgebung ungestört joggen gehen zu können. Also wenn er daneben gesehen wird und auf seine Inszenierung im Fernsehen angesprochen wurde, (zurück) blafft: „I can do what I want“.

Nein, nicht nur ich bin „kleinwüchsig“ und fahre mit dem Rollator an meinen Arbeitsplatz. Nicht nur „für mich“ gilt das nicht, sondern im Gegenteil für „alle“: jeder Mensch verfügt über ein Handicap. Sogar Elon Musk wird irgendwo irgendwie benachteiligt.
Auch wenn es nicht offensichtlich sein mag, aber gerade das drückt das Problem aus: schwierig, thematisiert, wird ein Nachteil erst dann wenn er evident wird. Die Evidenz bleibt (in jedem Fall) das überaus Entlarvende dabei.

Und es wird dabei immer von einem mehr oder weniger eklatanten Normdenken ausgegangen: vor allem körperlich, Körperbilder betreffend (wie Magersucht oder Übergewicht), gesundheitlich oder ökonomisch, sowie von den individuellen Zuständen und Verhaltensweisen (wie mangelhafte Hygiene, sozial exkludierenden Dispositionen wie Mund- oder Fußgeruch) keine Zivilcourage verlangt. Unendlichen Faktoren – ganz ohne „Empathie“ als dem bigotten Schlagwort schlechthin.
Und deshalb hört sich „gut verdienend“ als Zusatz absurder Weise auch gleich noch um vieles besser an, weil „Hartz IV-Empfänger“ das „Privileg“ eben nicht verstärken kann.
Doch niemand ist „normal“. Niemand „gesund“. Niemand „funktioniert“ wirklich. Jedoch genau dort – bei all diesen Vorstellungen – beginnen sämtliche Rassismen.‘

„The Hill“ 2020. Angesichts der morgigen Inauguration eines neuen US-amerikanischen Präsidenten erneuere ich hiermit auch die Widmung meines Blogs: nein, niemand steht auf der „richtigen“ Seite.

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