„Synchronisationen“

Auf Steam (nicht öffentlich): ‚Also das sogenannte „Schnodderdeutsch“ war wirklich nur eine einzige Schule in der deutschsprachigen Synchronisation. Sie war dabei eindeutig dem Zeitgeist der Sechziger Jahre geschuldet, mit der Intention eigentlich ernste Inhalte „durch den Kakao“ zu ziehen (wenn das nicht schon wieder „rassistisch“ wäre), und mag sich zwar auf andere Produktionen der Ära, wie „Raumschiff Enterprise“, oder ganze Studios (Berliner Synchron – Wenzel Lüdecke) ausgebreitet haben, hatte auf deren Töchter (wie Arena Synchron Berlin) und spätere Unternehm(ung)en aber praktisch keinerlei Auswirkungen. Spätestens in der zweiten Hälfte der Achtziger Jahre war das Umfeld (und seine Begründung dafür) sogar verpönt – zumal damalige Inhalte wie „Star Trek – Das nächste Jahrhundert“ die das ZDF sehr schnell aufnahm als dezidiert „politisch korrekt“ (absolut positiv gemeint) galten und gelten wollten.
Die frühen Spencer/Hill-Western waren deshalb durchaus ernsthafter gemeint als im Deutschen kommuniziert (ihr Erfolg könnte aber sogar die Entstehung des Komiker-Duos beeinflusst haben). Genauso dass es vor zwanzig Jahren einen bayrischen Asterix gab – den gab es zuvor wohl ebenfalls im Print. Und das hängt auch wesentlich damit zusammen, dass Asterix eher kein Bestandteil der amerikanisierten Populärkultur ist und hierzulande immer eher volkstümlichen Charakter hatte (genauso wie früher Karl May). Das „Schnodderdeutsch“ war darüber hinaus vor allem Ausdruck eines pejorativen Zugangs zu als trivial empfundenen Stoffen, das heißt hängt genuin mit der Banalisierung von Unterhaltung (E/U-Dichotomie/Antinomie) wie „Zeichentrickfilmen“ zusammen: „negativ“ gemeint (im Sinne von absichtlich verächtlich machen) war darin zweifellos vieles, aber kaum „Rassismus“ – ohne hier erneut verhöhnt zu werden.

(…)

Von nordamerikanischen Indigenen (sic!) als „nations“ zu reden begann wiederum in der dokumentarischen Nachfolge von Kevin Costners „Dances with Wolves“ 1990, also „500 Nations“ etc. Daran kann und sollte überhaupt kein Zweifel bestehen – das ist kulturhistorisch eindeutig.
Erst damals entwickelte sich wohl weltweit ein entsprechendes Bewusstsein das heute selbstgerecht als „woke“ bezeichnet werden würde.

Und in keiner anderen Jugendsprache die mir bekannt wäre existieren Zuschreibungen wie „behindert“ oder „Opfer“ jeweils ausdrücklich als eigene Schimpfwörter (!), die jedem geläufig wären – so wie im Deutschen, die bis ins Fernsehen von ModeratorInnen wie Tanja Mairhofer gebraucht worden sind (mit meinen eigenen Ohrwascherl gehört – für diese Erkenntnis würde ich ebenfalls bis vor Gericht ziehen). Wann auch immer diese Begrifflichkeiten genau entstanden sind – ich schätze in der zweiten Hälfte der Neunziger Jahre (denn zu meiner Zeit gab es das nämlich noch nicht! Darauf lege ich großen Wert). Die Krüppelbewegung, der ich mich zugehörig fühle, um 1980. Soviel zum „Fortschritt“ der Menschen auf der Straße usw. ohnehin kaum betreffen wird – im Unterschied zu Privilegierten jeglicher Hautfarben.

(…) „Hogan’s Heroes“ (1965!) mit dreißig Jahren Verspätung entsprechend zu produzieren (…) ein gutes Beispiel (einer ziemlich problematischen Komödie) dafür wie sehr das aus der Mode kam, denn (Privat-)Fernsehen funktionierte zu der Zeit noch etwas anders als heute: erstens gab es damals noch nicht so viele Sender wie heute und zweitens keine Sparten-Programmierung im heutigen Sinn: kabel eins war etwa der einzige Ableger von ProSieben. Und ein Sender versammelte gern abwechselnd alles das ein bestimmtes Publikum bedient an einen Platz (wie ähnliche Filme immer zu einem bestimmten Zeitpunkt, oder routinierte Quizsendungen für das gewohnheitsmäßige Publikum). Eine alte Serie aus den Sechzigern im Sinne der Sechziger Jahre zu synchronisieren macht da als Anachronismus schon sehr viel Sinn – denn auch damals gab es (ältere) Leute die auf Retro standen und mit der neuen Medienwelt nicht so viel anfangen konnten.

Der Sender wollte so zweifellos mehr dieser Programme für seine Nische gewinnen. Deshalb wurde das nachgeholt, was damals sehr auffällig war, aber das Angebot war nun mal endlich (also musste Nachschub her).

Und dass es erst so spät synchronisiert wurde lag übrigens an der Thematik – ähnlich wie die beiden „Raumschiff Enterprise“-Folgen „Schablonen der Gewalt“, die auch zu der Zeit auf VHS (die ich besitze) raus kamen und später im Fernsehen mal liefen (zunächst eher als Sonderprogramme).
„Verbotene“ Spiele wie „Wolfenstein“ hatten ihre medialen Vorläufer. Zu meiner Zeit war das etwa „Schablonen der Gewalt“, das bei Ausstrahlungen regelmäßig übersprungen wurde (für das zu Lebzeiten manch eines Sprechers gar keine Synchro existierte).‘

Nachtrag: ‚(…) „Möglich“ war früher vermutlich allgemein weitaus mehr, weil zwischendurch (Sechziger bis Nullerjahre) weniger skandalisiert worden war. Und relevant nicht nur, dass diese Serie bereits in den Achtzigern in den USA nostalgischen Charakter hatte (in etwa so wie „Gilligans Insel“ in der Serie „Alf“ usw.) – so „neu“ und ungewöhnlich sie im Deutschland der Neunziger auch immer gewirkt haben mag – sondern auch für wen sie erst so spät synchronisiert wurde, nämlich genau für das deutschsprachige Publikum von „Die Zwei“ & Co. (…) Rezipiert werden auch heute Medien deren „Konsum“ keineswegs breit akzeptiert wird – vielleicht nur nicht mehr über das (lineare) Fernsehen, doch selbst Streaming-Dienste bieten Inhalte die mich persönlich interessieren zum überwiegenden Teil überhaupt nicht an (nicht nur aus lizenzrechtlichen, sondern zum Teil auch inhaltlichen Gründen).

Für mich genügt jedenfalls ein Vergleich zwischen Star Trek TOS und TNG: selbst der Minirock von Counselor Troi wurde als Zugeständnis nach der ersten Staffel ästhetisch abgeschafft, obwohl er in der Modewelt von damals gerade ein kurzes Revival gefeiert hatte (wegen dem Film „Dirty Dancing“). Und worüber enzyklopädisches Wissen keine Auskunft geben kann, dafür wären Zeitzeugen eigentlich da (gewesen)…‘

Nachlese. Stern-Bericht über „Kevin allein in New York“ auf Netflix (Deutschland).

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