Next Fest

Letztes Wochenende gab es im Rahmen eines virtuellen Festivals auf Steam wieder die Gelegenheit mehr oder weniger neue, jedenfalls noch nicht veröffentlichte Spiele auszuprobieren: hunderte Titel standen zur Auswahl, welche in der Tat vielfältig war. Ob kuratiert oder nicht, aber sogar einige Sexspiele standen bereit. Hier möchte ich mich auf fünf Entwicklungen beschränken:

Martha Is Dead

Das italienische Studio hinter „The Town of Light“ (2016) überrascht mit enorm hohen Produktionswerten in der Unreal Engine: wieder dreht es sich um die Schicksale von Menschen im Rahmen der Medizingeschichte. Eine junge Frau nimmt vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs die Identität ihrer gehörlosen Zwillingsschwester an, die scheinbar ertrank. Eine Reihe äußerst filmischer Sequenzen voller metaphorischer Dissonanzen und technischer Spielereien eröffnet die „Trailer“-Demo, bevor es in die gewohnten Erkundungsspiel-Bahnen des Vorgängers geht. Ein ästhetisch höchstwertiges Erlebnis, das aufgrund manch grausamer Körperbilder aber sicher nichts für Zartbesaitete darstellt und noch heuer erscheinen soll. Allerdings allein dieser Download: über 25GB!

ANNO: Mutationem

Nein kein mutiertes „Anno“ und auch nicht wirklich neu, sondern wieder eine Gelegenheit die Demo dieses Cyberpunk-Abenteuerspiels auszuprobieren, das auch schon von Sony gepusht wurde: diesmal konnte ich sie endlich nutzen. Der schicke „Indie“-Titel in Seitenansicht ist zwar deutlich Anime-inspiriert, dürfte mit seinem Pixelart-Charme aber auch jene ansprechen die „Cloudpunk“ mögen und besticht – ähnlich wie das isometrische Actionspiel „The Ascent“ auf ganz andere Weise – durch aufmerksame Details in einer urbanen Welt, die selbst „Cyberpunk 2077“ mit seinen ständig gleichen Automaten zur Ehre gereichen würden.

Starship Troopers – Terran Command

2000 gab es schon einmal ein auf der Lizenz basierendes, frühes Taktikspiel (Terran Ascendancy) mit Polygongrafik. Nun hat sich, nach „Battlestar Galactica“, Slitherine (Panzer Corps) die Franchise von Ed Neumeier vorgenommen. Direkt auf den Verhoeven-Film zurückgegriffen wird mit Tristar Pictures im Hintergrund zwar scheinbar nicht, aber dafür überzeugen die Comic-Bilder und die literarische Qualität der Texte im Spiel. Das (Original-)Design und die vorgetragene Ideologie treffen den Ton der Vorlage und besser sahen die Animationen der „Bugs“ im Film auch nicht aus: nur die verwendete Technik wirkt vorerst insgesamt noch etwas holprig – gerade im Vergleich zu den perfekt gestalteten Erklärvideos in Spielgrafik. Fehlt eigentlich nur noch, dass als Ergänzung das immerhin akzeptable Actionspiel von 2005 auf GOG.com erscheint.

Tame It!

Die Kommunikation erfolgt im pornografischen „Tame It!“ ausschließlich mittels Emojis und… es funktioniert! Übertragungsprobleme, welche das Genre meistens plagen, können hier somit nicht vorkommen – soviel zum Niedergang der Sprachkultur. Die Ästhetik erinnert entfernt an Erzeugnisse von Ktuhlu Solutions (Perky Little Things). Bemerkenswert auch, dass die wie üblich mühsamen Simulationsszenen optional „vorgespielt“ werden können. Zum Plot: eine Pilotin stürzt mit ihrem einzigen Fluggast auf einem Eiland (no pun intended) ab, das nicht ganz unbewohnt ist.

Who’s Lila?

Gute Frage. Die Hälfte des Bildschirms in diesem Point’n’Click wird gänzlich von fotografischen Gesichtsportraits eingenommen – und alles ist strikt monochrom: der künstlerisch zweifellos anspruchsvollste Titel auf dem Next Fest, den ich gesehen habe. Pixelart ohne Abstraktion oder Reduktionismus, „fotorealistisch“ – wenn man so will…

Es gäbe sicher noch mehr Titel über die gesprochen werden könnte – etwa die ungarische Sitcom „Singles‘ Generation“ oder „Not Tonight 2“, aber hier wollte ich mich eben ausnahmsweise selbst beschränken.

Über pyri

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