Zu „Freitag, der 13.“

Kommentar: ‚Als Mensch mit Behinderung hat mich bei diesem Film (mit ihm der Figur des Jason und noch mehr weiterhin dessen Mutter) zusätzlich eine ganz andere soziale Dimension immer beschäftigt: jene der Körper als Basis für Geschlechtlichkeit an sich, sowie die Möglichkeit der Teilhabe an einer Gesellschaft welche genau darüber (über ihre funktionierenden oder attraktiven Körper) konstituiert wird und weshalb vielleicht deswegen so wenig Wert darauf gelegt wird Empathie für die Opfer zu entwickeln. Das anzumerken fände ich gerade in einer Zeit wichtig in der so viel über „Empathie“ und „Privilegien“ dahergeredet wird, aber meines Erachtens nach so wenig (über Marketing/Profilierungsgrößen hinaus) damit wirklich gemeint.

Diese Opfer nehmen gerade als Betreuende ihren Werdegang in dieser bürgerlichen Gesellschaft vorweg: das sind nicht einfach irgendwelche jungen Leute, so wie in anderen Slasher-Filmen (wo vielleicht nur noch zwischen Urbanität und dem Hinterland unterschieden wird), sondern sie unterliegen bereits einer gewissen Hierarchie (Struktur) und werden zudem als ungemein oberflächlich beschrieben – was das ganze Geschnatter über den Sexus mitunter einschließt -, weshalb uns ihr Schicksal aus meiner Sicht so wenig wie möglich kümmern soll: diese relativ „einfache“ Hintergrundgeschichte mit dem Rachemotiv der Mutter und Jason „nur“ als ertrunkenem, in Stich gelassenem Kind (wie potentiell jedes andere, das heißt auch die Opfer) hätte ich dabei gar nicht im Kopf: die Mutter „rächt“ sich wenn dann nicht so sehr für den Tod ihres Kindes, sondern für dessen verhindertes Glück im Leben.


Jason wird (das hat er mit anderen aus dieser Phase des US-„Terror“films durchaus gemein) als mehr oder weniger deformiert beschrieben, ausgegrenzt, einer Lächerlichkeit preisgegeben, höchstens bemitleidet – letztlich chancenlos in dieser Welt. Das ideologisch vor dem Hintergrund bemerkt, dass sich Film oder erzählende Medien zur Gänze im Idealfall nicht in die Rolle der Mächtigen und jenen die mit ohnehin genügend sozialer Kompetenz ausgestattet sind begeben sollten, sondern in jene der Gescheiterten und Ohnmächtigen. Interessant fand ich dabei auch, dass die Figur – das hat sie unter Umständen wiederum mit Michael Myers gemein – im Laufe der Reihe ständig absurder reinkarnierte und damit stets metaphysischer wurde… am Ende eigentlich überhaupt nicht mehr „real“ sein konnte (so wie sie es am Beginn schon eben nicht gewesen war).

Faszinierend an „Freitag, der 13.“ finde ich ökonomisch aufgrund des offenbar anhaltenden kommerziellen Erfolges darüber hinaus schließlich, dass hinter den Filmen demonstrativ so ein großes Studio stand – so iterativ sie waren und verachtet sie von der Filmkritik wurden: anders als etwa „Nightmare on Elm Street“ (Freddy Krueger schaffte es in den Neunzigern sogar in eines meiner Englisch-Schulbücher hier in Österreich) gab es da keine „besseren“ oder „schlechteren“ Teile, sondern alle wurden gleich als (Gewalt-)“pornografisch“ verurteilt und „schlecht“ verstanden – letztlich als Ironie des Kapitalismus geschrieben.‘

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