Streaming-Tipp: „Krieg der Welten“

Die britisch-französische Koproduktion ist momentan eine der intelligentesten Produktionen die auf Disney+ zu sehen ist. Mittlerweile wurde auch die zweite Staffel hinzugefügt. Eine dritte ist noch in Planung: die postmoderne Adaption des SF-Klassikers von H. G. Wells hat mit der Vorlage nur wenig gemein und wirkt wie eine Mischung aus „The Walking Dead“ und „Les Revenants“. Die Stimmung ist bedrohlich und schlägt schnell in ein endzeitliches Setting um. Das Erzähltempo europäisch ruhig und gemächlich. Die offenbar unspektakulären Außerirdischen zeigen sich erst später: zunächst treten hundeähnliche Bio-Roboter auf, welche an die Videospiele aus „Half-Life“ oder die „Wolfenstein“-Spiele von Machine Games aus Schweden erinnern mögen.

Die Serie ist beeindruckend besetzt: unter anderem mit Gabriel Byrne, Elizabeth McGovern (Es war einmal in Amerika), Newcomerin Daisy Edgar-Jones und der leider viel zu selten zu sehenden Léa Drucker. Mitunter wirkt die Dramaturgie etwas zerfahren, da teilweise zu viele Geschichten erzählt werden möchten: da gibt es den Geflüchteten der sich in eine hellsichtige Blinde verliebt, die Inzest-Story um eine Französin die mit ihrem sie dereinst vergewaltigenden Bruder konfrontiert wird und sich wegen derer beiden Sohn damit erst arrangieren muss, oder einen Krankenpfleger der es nicht verkraftet dass er seine Säuglingsstation verlassen musste und die Säuglinge den Maschinenhunden übergeben. Eines steht fest: Wells hätte sich das so wild garantiert nicht ausgemalt. Die Serie ist so weit weg von George Pal wie es nur geht: die wirklich nicht konkurrierende BBC-Produktion „The War of the Worlds“, welche den Stoff in die zeitnahe Edwardische Epoche verlegt hat (also kurz vor den Ersten Weltkrieg) und etwa auf Amazon Prime zu sehen ist, kann da gedanklich nicht wirklich mithalten und kommt im Vergleich äußerst bieder sowie antiquiert daher.

Die Nähe zu dem in den letzten Jahrzehnten immer unbeliebter gewordenen Melodram ist jedoch unübersehbar, weshalb sie kaum zu den beliebtesten Inhalten von Disney+ zählen wird (die durchaus ebenfalls sehenswerte Neuadaption des Powell-Pressburger-Klassikers der „Schwarzen Narzisse“ als Miniserie mit Diana Rigg in einer ihrer letzten Rollen wäre im Vergleich deutlich zeitgemäßer gestaltet), zeichnet die Produktion aber auch aus da sie dadurch erfrischend anachronistisch wirkt und sich der gegenwärtigen Einbildung erwartbarer Strukturen erfolgreich widersetzt. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt wie es weitergeht!

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