Zu Houellebecq im „Literarischen Quartett“ des ZDF

Kommentar (mit Timestamp): ‚Ich glaube eher dass wenn dann genau da Houellebecq „auf den Leim gegangen“ wird: das Reaktionäre hat dieser nämlich schon vor dreißig Jahren in seinem ersten „Roman“ gegen die Welt, gegen das Leben „abgefeiert“. Ok, damals vielleicht „nur“ noch literaturhistorisch – trotzdem mehr als lächerlich ihm das nun erst – nach diesem x-ten Essayband – „vorwerfen“ zu wollen, das sollte spätestens ab „Die Welt als Supermarkt“ klargewesen sein. Selbstredend betrifft das auch den „Vorwurf“ sich gegen diese Welt zu stellen – no na net.


Dann der Tierschutz: seit wann soll dieser bitte wieder nicht mehr zumindest konservativ sein? Brigitte Bardot hat in Frankreich sogar den Front National Jean-Marie Le Pens unterstützt und gilt dort als das Symbol für den Tierschutz schlechthin. Wobei das Thema hier in Österreich etwa bei Philippa Strache oder in Boulevard wie der Kronen Zeitung sehr präsent war. Der Tierschutz kann sogar als rechtsextreme Chiffre und gleichzeitig Ausdruck von Menschenverachtung (etwa in Fragen der Migration) dienen – im Sinne von „Tiere lieber als Menschen“.

Der ganze Themenkomplex der Conservation ist doch seit den Zeiten von Teddy Roosevelt ein urkonservatives Anliegen (und etwa kein Widerspruch zur Jagd). Wobei sich auf der progressiven Seite schon seit Jahrzehnten im Sinne des Anti-Speziesismus die Tierrechtsbewegung dagegen sozial etabliert hat.


Und religiös motiviert betrifft Selbstbestimmung dabei traditionell eher ungeborenes Leben, das heißt wird ein Recht auf (Beihilfe zum) Suizid wie im Kontext der Sterbehilfe, was österreichisch neuerdings „Sterbeverfügung“ heißt, konservativ eher abgelehnt. Die „Euthanasie“ der Nazis wird bis weit in das rechtsextreme Spektrum nun wirklich nicht mehr vertreten – es überwiegen bei weitem ethnisch ein Nativismus, sowie sozial christlich-ständisch geprägte Werte, weshalb es vielfach auch so unsinnig ist Rechte als „Nazis“ zu diffamieren. Als Mensch mit Behinderung kann ich darüber hinaus nur mitteilen, dass der Schwangerschaftsabbruch in erster Linie Menschen wie mich betrifft und Abtreibungen, die Fristenlösung wenigstens „kritisch“ zu sehen ist ein Alleinstellungsmerkmal konservativer Kreise rechts der Unionsparteien in Deutschland: die Rechte hat sich den „Lebensschutz“ doch schon seit vielen Jahren auf die Fahnen geschrieben. Mehr als absurd und ein unglaublicher Bildungsverlust zu glauben, wie offenbar die Moderatorin, „rechts“ könne nur jemand sein der eine behindertenfeindliche Eugenik vertritt: Behindertenfeindlichkeit hat heutzutage – wie so vieles andere auch – sehr viele Gesichter.

Nichts von alledem kann Houellebecq faktisch „entlasten“, dennoch wird in der Sendung genau das (mal wieder) behauptet: in meiner Kindheit hatte ich mir die Sendung idiotischerweise zum Vorbild genommen. Mein einziger Vorteil: dass ich seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr (bewusst) fernsehe.

Denn die einzige Frage die sich mir stellt bleibt weshalb ein Autor, eine Autorin, unbedingt Werte zu vertreten hätte welche das Publikum teilt. Wieso sich in der Rezeption eines Werkes Anhaltspunkte finden lassen sollen die mich dazu bewegen mich damit zu identifizieren: nein. Weder erwarte ich das von irgendeiner Kunst, noch in einem sozialen Gegenüber: da braucht es einfach keine „andere“ Hälfte. Wirklich nicht: einerseits Zustimmung zu erwarten und andererseits Ablehnung zu „canceln“, sich davon abzugrenzen oder das auszusortieren, das eigentliche Problem – die Schwierigkeit welche es zu überwinden gelte. Erst dann kann ein wahrhaftiger Diskurs entstehen, kann differenziertes Denken wirklich beginnen und überhaupt Freiheit vorkommen, wenn es erlaubt ist „was verboten gehört“ im Sinne Heideggers eigentlich zu sagen. Wenn das stattfinden kann: Positionen, Worte, Sätze wiederzugeben ohne noch notgedrungen eine „andere“ Hälfte zu konstruieren damit etwas erst weiterhin erlaubt bleibt.‘ Nachlese: „Staatspreis für einen Anti-Europäer…“ (2019)

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