Neues zu „Uncharted“ (& Co.)

Kommentar: ‚Nur zur Information: der Lizenzgeber wird es nicht mehr haben wollen, dass die Figur der Chloe heteronormativ dargestellt wird.

Das war 2009 als Chloe beim zweiten Videospiel dieser Franchise noch unter der Leitung von Amy Hennig, einer eher altmodischen Humanistin, eingeführt wurde, anders: das Spiel (Uncharted 2 – Among Thieves) orientierte sich streckenweise durchaus an Hollywood-Screwball der Marke „It Happened One Night“ (1934). Noch dazu hatte Chloe damals den leichten Einschlag einer „Femme Fatale“ – was in der Branche, obwohl dem Typus einer „starken Frau“ entsprechend, wenigstens teilweise durchaus auch als sexistisches Stereotyp gilt und deshalb neuerdings vermieden wird.

Alle Frauenfiguren in größeren Videospielen müssen gefühlt nunmehr einen „Test“ bestehen, dahingehend dass sie unabhängig jeglicher männlicher Figuren gedanklich existieren können und keine größeren emotionalen Bindungen mit Männern mehr eingehen, wobei Chloe damit im Laufe der Zeit die Rolle eines zweiten Nate eingenommen hat. Und genau so sollte sie wohl auch im Film wahrgenommen werden.

Hennig verließ fünf Jahre später das Studio: die Videospielindustrie ist leider äußerst intransparent, wird durch Seilschaften geschützt und wie keine andere Kulturindustrie mittels Non Disclosure Agreements hermetisch abgeriegelt. Genaueres deshalb nicht bekannt, aber es wird zweifellos auch um kreative Differenzen in dieser Hinsicht gegangen sein: so entwickelte dasselbe Studio mit „The Last of Us“ später immens brutale, grotesk-sadistische „Spiele“, aber das leiseste Knistern in diese Richtung mag so bereits als skandalträchtiger Übergriff und „Spiel mit dem Feuer“ ausgelegt werden.

Die Neigung stundenlang wie „Let’s Player“ eins nach dem anderen zu spielen und all das gedankenlos zu internalisieren was einem die Industrie so vorsetzt, sowie nach der eigenen Psychologie und dem Potential abzuklopfen „getriggert“ zu werden, trug ihr Übriges zu dieser traurigen Situation bei. Aufgrund einiger Defizite in den Anfangsjahren (Custer’s Revenge) und wegen eines Backlash gegenüber der von antifeministischen Alt Right gekaperten „GamerGate“-Bewegung haben sich große „Prestige“-Videospiele in den letzten Jahren darüber hinaus so politisch korrekt gezeigt wie kein anderes Medium (zumindest abgesehen von den ganzen nicht sexualisierten Gewaltdarstellungen).

Gleichzeitig zu dieser neuen Prüderie ist jedoch auch dort eine pornografisierte Hypersexualisierung festzustellen: von China über Russland und Europa bis Nordamerika unterlaufen unzählige kleinere Spiele diesem Trend, während ein „sexpositiver“ Journalismus diesen Trend durch das Aufstellen eigener Regeln bei kleineren, „unabhängigen“ Spielen wiederum verstärkt. In dieser Branche erscheinen ausnahmslos „alle“ als Gefangene bis Verlorene.

Aber selbst „Vertragserotik“ wie sie in der Filmindustrie noch möglich ist, ist in großen Videospielen diesbezüglich nicht vorgesehen. Und sogar Ausnahmen (wie zum Beispiel „Cyberpunk 2077“) haben die Handlungsmöglichkeiten in dieser Hinsicht immer weiter reduziert und in der Sache eingeschränkt, während gleichzeitig die Möglichkeiten identitätsstiftender Repräsentation exponentiell zunahmen: so erlauben fast alle Videospiele mittlerweile Transgender-Repräsentationen (sogar solche die etwa im Zweiten Weltkrieg angesiedelt sind sollen nur mehr die spielenden Menschen in der Gegenwart abbilden, aber kein akkurates historisches Geschehen in Hinblick auf Sexismen/Rassismen/body images ohne dafür „kritisiert“ zu werden, teilweise wird diesbezüglich ebenfalls nach fadenscheinigen historischen Ausnahmen gesucht – ein „archäologischer“ Blog hat sich im deutschsprachigen Raum darum verhängnisvoll besonders „verdient“ gemacht). Ebenfalls gehört die Darstellung amputierter Personen, ohne dass ihre Fähigkeiten deswegen eingeschränkt wären, so schon zum absoluten Pflichtprogramm… Ansonsten eine leider sehr bestechende Analyse: hier ist (ausnahmsweise) wirklich jeder Kulturpessimismus einmal mehr als angebracht.

Zwar gäbe es mit der Journalistin Elena noch eine Frauenfigur die dafür in Frage käme, aber ich glaube die kommt in der Verfilmung gar nicht vor.‘ Nachlese: „Abrechnung“ im Jänner.

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