Neues zu „The Last of Us“

Kommentar: ‚(…) Ich wundere mich auch jedes Mal wenn ein Film wie „Apocalypse Now“ dezidiert als „Antikriegsfilm“ bezeichnet wird, oder zumindest als „kritischer“ Kriegsfilm – sogar von „Friedensbewegten“ wie Peter Bürger. Doch in den Dokumentationen zum Film, die teilweise von Coppolas Frau stammen, gibt es dann so Szenen die den „Meister“ mit nacktem Oberkörper im Dschungel zeigen wo er regelrecht in Gewaltszenen schwelgt.
Das ist filmhistorisch kompletter Unsinn, nur weil Coppola halt auch eine politisch erwünschte Haltung zum Vietnamtrauma wiedergibt: der Film nimmt vielmehr eine neutrale Position ein und romantisiert (so wie der „Pate“) sein exotisches Setting auch teilweise. Und die welche so einen Film als „kritisch“ apostrophieren sind dann oft dieselben welche andere Medien als spekulative „Romantisierungen“ verurteilen.

Nur bei „The Last of Us“ verstehe ich die Gewalt im neuen Trailer für den zweiten Teil trotzdem nicht (der ja im Titel dieselbe grafische Ikonografie wie der zweite „Pate“-Film aufweist, in grandioser Selbstüberschätzung der Videospielindustrie): da wurden doch völlig neue Figuren vorgestellt und niemand konnte eigentlich wissen worum es ging, aber natürlich wurde mit dem Armbruch möglichst viel Gewalt gezeigt – weil „The Last of Us“ ja damit assoziiert wird, und weil taffe Frauenbilder im Zentrum standen ist die repräsentative Identitätspolitik auch „in Ordnung“ gewesen – war der Trailer sogar noch politisch korrekt.
Ich glaube zwar nicht an selbstzweckhafte Gewaltdarstellungen, aber diese hier konnten praktisch nur den Zweck des Marketings erfüllen –

Der Widerspruch war am Montag in Paris wieder so ein großer Fremdschäm-Moment für mich: die Branche geriert sich da überaus zweigleisig – einerseits wollen sie sich als „empathisch“ gebärden und üben sich oft genug in suhlendem Betroffenheitskitsch, andererseits werfen sie regelmäßig diese Gewalthappen vor ihr johlendes Publikum (wenn Sex abseits synchron funktionierender Körper schon verpönt ist).‘ Nachlese

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NVIDIA stellte (wieder?) eine „GTXbox“ vor

Comment: ‚Thumbs up. Thank you, for showing me one of the most ridiculous things I’ve ever seen.
That video really elevated my life. It shows me, again and again, why I prefer consoles for fifteen years and counting.
But wait, it not only looks like trash – it is trash! From 2013.
The Xbox One was already overhauled once, with last year’s Xbox One S. And you won’t, ever, get all your PC desktop hardware in an Xbox One X case. You had to rely on notebook hardware instead.
On the PC side of things, a GTX 1060 (with 6GB of RAM by the way) is actually my premier graphics card of choice. And it’s nowhere near as powerful as Microsoft already showed in demos. Although very similar these days, PC and console tech are still hardly comparable when great engineers are working on console software. As Sony already has shown with lots of first party products on PS4 Pro.
With the Nintendo Switch, NVIDIA already has one of the most magnificent pieces of hardware out there on the market. So is ist just me, or envy and greed?
This video is a testament to how ignorant and chauvinistic the „PC gaming“ crowd actually is. Shame on you, NVIDIA. Shame on you!‘

2: ‚(…) There is so much more that goes into a console: starting from the UI, the OS/firmware, the easy sharing capabilities or the streamlined installation processes (although those are actually mandatory nowadays – even on console). All just couldn’t change my mind and changed nothing on my prejudice. My conclusion since around 2002 remained the same: PCs are not meant for gaming at all. At least no gaming as I understand it anymore.
Just the level of standardization (and quality assurance) on let’s say Valve’s Steam platform is pretty low (in fact often nowhere to be found), despite the fact that Microsoft integrated Xbox into Windows 10 a „Gaming PC“ for gaming alone as I understand it, remains an illusion. Starting with the Dreamcast and PS2 gaming on the PC just became irrelevant to me, and needlessly complicated. Hobbyists, technocrats and PC enthusiasts may still like it (better), I simply don’t.
For me it’s pretty clear: PC games are cheap for a reason. There (usually) lower price point is just compensation for all the hassle one may experience when trying to play, configure and actually experience most PC versions: yes, there are certain multi-platform games I would still recommend on the PC for several reasons (like „Tekken 7“, „Conan – Exiles“,  „Hunter – Call of the Wild“, „Prey“, „The Surge“ or „Destiny 2“) but the majority of titles I simply can’t and would not recommend over any pricier console release.‘

Replik: „Of course, the real reason why they are often cheaper is because the fees devs and publishers have to pay to the platform holder (20% to console manufacturers) are much lower on the PC (if existent at all), but again, that’s not what it feels to me.
For example, I find it difficult to configure a game on the PC to meet my needs, so that it feels right. The options are often overwhelming.
And on consoles, devs can use certain features like with the specific controller of the PS4 its LED bar, or the built-in speaker. Therefore an experience can be tailored much better on consoles, because everyone knows what to expect from the hardware.
No, I even don’t consider myself being a console gamer – I play a lot of PC games that won’t work on a console sitting on the couch or lying in bed, using a desktop interface like a mouse and keyboard – and yes, a PC can always be stronger – but stronger is not necessarily better or more suitable for gaming.“

Zum Thema Abwärtskompatibilität: „With x86 architecture now implemented on both sides at the same time, there is no reason to limit backwards compatibility to just one generation – as long as future consoles won’t change, again, to a completely different tech and stray away from the PC again. Both stores – Sony’s and Microsoft’s – have now basically taken the road of Steam.
If Sony changes that, when for example the PS6 introduces another new store, and the hardware basically didn’t change since PS4 and PS5, they certainly will have a hard time reasoning that. That’s why this console cycle and this Generation can already very well be seen as the last generation, because it’s the first x86 generation.
And Microsoft somehow already unified its Xbox One and 360 stores: backwards compatibility can also be seen as a long-term investment from Microsoft. It may not be important now, but in the future they basically can sell all Xbox console games to all console owners.
I was very surprised when they announced that Xbox One now even supports Original Xbox discs. They certainly didn’t need to do that.“

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Neues zur (diesjährigen, aber auch alltäglichen) Spieleflut

Replik: ‚“Vielleicht sollte man die Basis schaffen, themenbezogene Leserbeiträge einreichen zu können?“
Dem kann ich mich naturgemäß nur anschließen. Wegen meiner Arbeit fiel es mir in den letzten Monaten einigermaßen schwer jede Woche überhaupt auf dem neuesten Stand zu bleiben was Games anbelangt, dabei habe ich sogar noch das Glück familiär ungebunden zu sein…
Es erscheinen – gerade jetzt in der AAA-Saison – und hier auf Steam, so viele Spiele, und auch wenn man die allermeisten nach einem kurzen Moment abhaken kann, den Überblick zu halten und wenigstens den breitenwirksameren kommerziellen Output zu erfassen fällt mir da schon zunehmend schwerer. Langsam resigniere ich da bereits vor dem herkömmlichen Spielejournalismus, der sich für gewöhnlich ja auf die vorgefertigten Meinungen seiner sozialen Zirkel beschränkt.
Da ich in solchen Wahrnehmungsblasen jedoch nicht leben will muss ich eben selbst ran und mich eigenständig über Inhalte informieren – weshalb ich für die Arbeit hier auch so dankar bin. Kann es nicht oft genug betonen!‘

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David Cage: wieder auf Kurs

Wer von den bisherigen, genrehaft-belanglosen Trailern zu „Detroit – Become Human“ enttäuscht war, wurde heute Nachmittag in Paris entschädigt:

Schon im nächsten Frühjahr soll das Spiel, nebst anderen von Sony, fertig sein.

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Wieder „Wolfenstein“

Kommentar: ‚Der Artikel ist ausnahmsweise äußerst löblich. Allerdings ist weitaus weniger der Verlust der Zeichen problematisch, wenn der Zenimax-Konzern sein Versprechen hiermit eine entnazifizierte Version vorgelegt zu haben auf einer ganz grundsätzlichen Ebene offenbar halten kann – sichtbar etwa in dieser Szene:

Die Worte welche Hitler da in den Mund gelegt werden sind in der deutschen Version völlig ideologiebefreit: das könnte ein jeder Schurke so von sich geben sowie reduziert die Figur gewissermaßen auf die Ebene eines Verbrechers wie Dr. Mabuse. Und da geht es überhaupt nicht um den fehlenden Bart etc.: der Antisemitismus wurde entfernt!
In „The New Order“ und „The Old Blood“ ist mir das bislang noch nicht aufgefallen, ich habe die Skripts auch nicht verglichen, aber damals gab es ebenfalls noch keinen Klan (in der Spielwelt). Der Klan bleibt jedoch wohl „der Klan“. Und dieser war immer schon antisemitisch (und antikatholisch) eingestellt, sichtbar im gegenwärtigen politischen Diskurs der USA etwa an der Figur David Duke – die heutzutage diesen symbolisiert, wenn schon nicht repräsentieren kann, das heißt auch im Internet – und dieser fällt vor allem durch antisemitische Reden auf. Antisemitismus ist der heutigen Welt auch überhaupt nicht fremd: gerade das Internet ist voll mit entsprechenden Verschwörungstheorien – jedes Mal wenn aus heiterem Himmel der Name George Soros fällt.
Was bedeutet das nun für ein Spiel das ansonsten traditionell penibel auftritt: so wurde auch der Name des „Kreises“, schon seit „Return to Castle“ traditionell die zentrale Widerstandsorganisation in der Welt von „Wolfenstein“, offenbar geändert um historische Parallelen zu vermeiden. Fein, aber wie aufrichtig politisch kann die deutsche Version von „Wolfenstein“ noch sein wenn zwischen zwei rassistischen Gruppen dermaßen unterschieden wird: man müsste sich stattdessen genauer ansehen wie das Spiel dann eigentlich mit seinen Themen umgeht, also was „das Regime“ dann eigentlich zum Feindbild macht – denn Deutschtümelei und die Eigenschaft deutsche Besatzer zu sein kann es ja allein nicht gewesen sein.
Mein Fehler war anscheinend, dass ich „das Regime“ trotzdem immer als Nazis wahrnahm – erst nach obigem Video fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Nur dem Tonstudio mache ich keinen Vorwurf: die deutsche Vertonung scheint mir wieder wesentlich gelungener zu sein als das englische „Original“, nur kann keine Nuance eines Sprechers diese eklatanten inhaltlichen Mängel je wieder ausbügeln.‘

Artikel von ZEIT ONLINE: 1, 2

Nachtrag 31. Oktober – zu einer Seminararbeit im August: ‚Problematisch ist nicht nur, oder gerade nicht, die Symbolzensur, sondern (…) Entnazifizierung (…) Zumal modisch ja etwa auch die Schnittmuster der Uniformen scheinbar, völlig unproblematisch, reproduziert werden können. Und in seinem Marketing verwendet der neue „Wolfenstein“-Eigner Zenimax/Bethesda gerade auch diesen Begriff.
Das Marketing verspricht dennoch „atmosphärische Alternativen“ http://store.steampowered.com/app/650500/Wolfenstein_II_The_New_Colossus/ , obwohl im Germanofaschismus dann ideologisch bestimmte Eigenschaften ganz einfach nicht mehr vorkommen sollen – wobei das erinnerungskulturell eigentlich Problematische wiederum der Umstand ist, dass der Nationalsozialismus wenigstens ästhetisch (dann, aber vermutlich auch schon vor der „Entnazifizierung“) mit dem Begriff der „Atmosphäre“ verbunden werden soll.
Aktuell übernimmt die deutsche Presse zwar auch die Worte welche die Groteske einem Hitler jeweils sagen lässt, reduziert sie dann aber wieder auf ein Symbol wie den Bart http://www.n-tv.de/technik/Hitler-verliert-sein-Baertchen-article20109651.html Im dort verlinkten Video kann die Entfernung des Antisemitismus trotzdem (noch oder schon) erfahren werden.‘

Ergänzung: ‚(…) als Selbstzensur kommuniziert der Artikel „nur“ Symbolzensur. Formal wäre davon eigentlich nur ein Zeichen wie das Hakenkreuz betroffen, aber schon der Hitlerbart nicht – der ist ja vielmehr kulturhistorisch (siehe Chaplin usw.)
Es werden ja auch Politikernamen entfernt, Portraits (unabhängig von den Armbinden) usw. Und dann halt noch die Ideologie: was bleibt dann, etwa beim „Regime“, noch übrig. Eigentlich nur die faschistische Ästhetik, die Mode und Architektur, das herrische Auftreten – hier eher karikiert, der Sprachgebrauch im Sinne von Wortwahl (aber ohne ideologische Inhalte).‘

Happy Halloween!

  1. November: ‚Ich befürchte da wird sich legalistisch etwas vorgemacht: Selbstanzeigen die dem Zweck dienen politische Aufmerksamkeit zu erregen, also letztlich als Aktivismus auf einen Missstand hinweisen wollen, werden doch immer eher als Missbrauch von Recht wahrgenommen. Also wenn die Anzeige nicht ehrlich gemeint ist, wird nach Annahme (und gegebenenfalls ersten Ermittlungen) so ein Verfahren doch gleich eingestellt.
    Ich glaube ja, dass eine Veröffentlichung in den meisten Fällen keinerlei Folgen haben würde. Mir wurde glaub ich mal erzählt, dass die beiden „A Stroke of Fate“-Titel von hier in Deutschland noch verfügbar sind – einfach weil sie unters Radar fielen, keinen Publisher hatten der sich darum gekümmert hätte etc. Und die KJM/BPjM hat deren Existenz dann bislang auch zu keiner Purge veranlasst. Also alles eher eine Frage des Marketings.
    Auch diesem Urteil vor zehn Jahren ging afaik keine Selbstanzeige voraus, das war eher eine Klarstellung: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/bundesgerichtshof-durchgestrichene-hakenkreuze-erlaubt-1411353.html
  2. (explizit zu „Attentat 1942„): ‚Ich finde es ja schon peinlich für unsere österreichischen und deutschen Universitäten (meine Grazer mit eingeschlossen, wo schon länger Affinitäten zu Videospielen existieren – Stichwort „Sowjet-Unterzögersdorf“) in Sachen Erinnerungskultur, das so etwas aus Tschechien kommen muss! Da hätte ich doch eher auf die HfG Karlsruhe getippt!‘
  3. November – die Pflicht ruft mal wieder: „Call of Duty“-Tag! 😉 Mit deutscher Version in Österreich: ‚(…) „Call of Duty 2“ war seinerzeit noch mit Hakenkreuzen in österreichischen Kaufhäusern öffentlich spielbar. Laut dem Importhandel von GamesOnly ist für die britische PC-Retail sogar eine VPN mit ebensolcher IP nötig, aber das kann – wenn man sich die Whitelist aus dem Artikel, das heißt mit Österreich, ansieht – irgendwie nicht stimmen.
    Der Handel bewirbt diese zudem mit der Kennzeichnung „Gore Bonus“. Allerdings scheint es sich dabei wiederum nur um einen Marketingtrick zu handeln. (…) Activision Blizzard scheint sich hier komplett auf die beiden Konsolenfassungen zu stützen. Ich nehme schließlich weiters an, dass Activision in jedem Fall (das heißt überall auf der Welt und schon wie bei „Destiny 2“) für den PC nur einen Download anbietet – das macht leider auch nicht jeder Handel deutlich. (…) Mit „ich habe das Game aus Östereich bezogen“ wird dann ein österreichischer Importhandel gemeint sein, so wie ich ihn oben schon beschrieb, der mit resteuropäischen (englischsprachigen) Retail-Verpackungen, oder halt nur ebensolchen Keys, als Download, arbeitet. Und die empfehlen für die VPN-Verbindung am deutschen PC dann gegebenenfalls schon England, weil sich dieser österreichische Handel ja in erster Linie an Deutsche richtet (ist einfach so) und England von der Whitelist vermutlich am einfachsten ist.
    Es kommt halt auch darauf an was jeweils mit „deutschsprachig“ gemeint ist. Für verschiedene Sprachen ist Steam ständig umzustelln – mach ich mindestens einmal die Woche. Ansonsten ist die Lage nicht so kompliziert: auf der Store-Seite sieht man schon, dass die Software selbst multilingual ist. Nur eine deutschsprachige Retail-Verpackung mit Rest-EU-Key wird man so nicht finden.‘ Das „vielfältige“ Angebot von GamesOnly… –
  4. November: ‚Es ist wohl zu bezweifeln, dass die unzähligen Spiele (vor allem im Strategiesektor), welche schon in der Vergangenheit international auf die Symbole verzichtet hatten, dies wirklich nur wegen dem deutschen Markt taten: vielmehr handelt es sich dabei um eine Frage kreativen und ästhetischen Abwägens. Und Machine Games hat bekanntlich aus den von Ihnen (auch) genannten Gründen ebenfalls auf einen Multiplayer-Modus in ihren „Wolfenstein“-Spielen (bislang) verzichtet.Kaum wegen Deutschland (oder meinem Land Österreich).
    Zweifellos wurde die Marke in der Vergangenheit leider von Neonazis missbraucht, aber dieser traurige Umstand kann auch als Risiko von Demokratie und Medienfreiheit betrachtet werden, ohne es zu verharmlosen. Und Medienfreiheit braucht dabei überhaupt nicht als „Gefahr“ wahrgenommen werden – eigentlich ganz im Gegenteil.
    Darüber hinaus liegt politischer Missbrauch bei einem teilhabenden Medium, das leicht Änderungen wie Modifikationen erlaubt, ebenfalls nahe. Schließlich sind das Problem der „Entnazifizierung“ von Spielen in Deutschland gar nicht ein paar Zeichen, sondern dass etwa Antisemitismus in der deutschen Version rausgeschrieben wurde – wie der Nationalsozialismus (als „Regime“) sonst dargestellt wird, wenn etwa die Ideologie es ist welche nicht (re)präsentiert werden sollte, die Propaganda (wie Plakate) usw. entfernt und/oder ausgetauscht (nicht) veröffentlicht werden.
    Das ist es was ich als promovierter Zeithistoriker, der jetzt auch schon beruflich in dieser Zeit gearbeitet hat, nur verurteilen kann: ja, die Branche hat ein Problem wie sie ihre Unterhaltung als Aktivität im Marketing vermittelt. Der Games-Journalismus ist daran jedoch sicher nicht ganz unbeteiligt, egal ob in der Publikumspresse oder dem Feuilleton, wenn einerseits mit Begriffen wie “Spielspaß” selbst unreflektiert Inhalte vermittelt werden, andererseits es bei der vielzitierten “Spielkultur” mit dem emotionalen Kalkül der Betroffenheit oft genug um nichts anderes als moralische Überlegenheitsdünkel geht, einem Ethos das sich zwar vielleicht egalitär, “humanistisch” und antifaschistisch geben mag, im Grunde genommen aber alles andere als das alles ist.
    Schließlich brauche ich der hier vorgestellten Wahrnehmung auch keineswegs folgen, welche Sie – trotz oder gerade wegen Jahrzehnten in Spitzenpositionen des führenden deutschen Games-Journalismus – vermeintlich “kritisch” referieren. Denn kein Medium wäre von sich aus trivial, wenn nicht vorher massiv am Prozess der Trivialisierung gearbeitet worden ist.

    So brauche ich als aufgeklärter Mensch weder der künstlichen Trennung zwischen Serious Games und allen anderen Spielen folgen, noch Verständnis für die Scheu vor kommerziellen Wagnissen gerade an deutschen und österreichischen Universitäten haben (siehe aktuell auch “Attentat 1942”), oder “Shooter” per se für “tumb” und “unreflektiert” halten – wenn ich das Schießen (oder sonstige Gewalt) als Handlung darin nicht ständig als ursächlich affirmativ gemeint zu interpretieren suchte (und keineswegs als Rollenmuster zu deuten verstehe), die Option des Tötens statt des Sterbens betone etc. Denn so ist jedes Gerede über “Killerspiele”, alle Wahrnehmung von Fiktionen (mit Vorbildwirkungen) die womöglich halt leider auch irgendwann mal sicher reale Gewaltverbrechen zur Folge hatten (als negative Inspirationen), überhaupt erst entstanden. Desensibilisierungshypothesen waren dem jedoch wenn, dann schon vorgelagert – indem schlicht Menschen verachtende Begriffe wie “Abstumpfung” immer weiter tradiert wurden, bei Videospielen mit Assoziationen wie dumpf oder “dumm” gearbeitet wurde, alle anderen Interpretationen nicht nachvollzogen werden konnten oder gleich mit Häme bedacht wurden, usw. usf.
    Also wäre es zunächst mal an der Zeit diese vermeintliche “Kritik” oder “Selbstkritik” in der Wahrnehmung von Videospielen zu überprüfen, und diese zu “reflektieren”. Wobei dann als positives Ergebnis vielleicht einmal begonnen wird sich für diesen Menschen die über Videospiele anders denken beleidigenden Zynismus zu schämen, Frau Fröhlich!
    Und nicht mehr immer nur für diese bestimmt einseitige Wahrnehmung “digitaler Spiele” (egal aus welcher Richtung und mit was für einer Intention vorgetragen) zu sorgen, die so jedenfalls immer weiter erzählt werden wird (und sich dementsprechend auch nicht ändern!). Erst dann kann nämlich überhaupt erst angefangen werden sich ernsthaft über (die Möglichkeiten von) Videospiele(n) zu unterhalten.‘

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Kommentar und Replik zum neuen „Call of Duty“ etc.

WW2/“Battlefield 1″: ‚Na ja, ich finde Inhalts-Deskriptoren prinzipiell nicht schlecht. Die PEGI hat ja auch welche – die Probleme liegen eher in deren Details und bei einem Marketing das, ohne sich etwas vorzumachen, ein „Call of Duty“ perfider Weise Eltern für ihre Kinder dann schmackhaft machen will, ohne dass etwas von sexueller Gewalt draufsteht, wenn sie mit sonstiger Gewalt schon keine Probleme haben…
@Protoss
Es ist nicht die Frage ob es etwas „gab“, sondern welchen Sinn es macht – und der war schon bei „Battlefield 1“ absolut grenzwertig. Zumal deren Integration hier wenigstens teilweise (auch) einen antisemitischen Hintergrund hatte.

Also wenn das stimmt was geschrieben wurde ist es aus historischer Sicht absolut untragbar und völlig unverzeihlich. Hier wird unter dem Deckmantel der „Diversität“, „Inklusion“ und „Gleichberechtigung“ im Hier und Jetzt eine wahnwitzige Geschichtsklitterung nebenher betrieben, das heißt sämtlicher Rassismus und Sexismus praktisch auf jeden Fall doch geleugnet – alles getan nur um keinen „weißen Männern“ das (Schlacht-)Feld zu überlassen. Repräsentation statt Fiktion. Und genau das ist das Ergebnis einer „sozialen“ und affirmativen Interpretation von Shooter-Inhalten, von Schießen als Handlung usw., das ich schon vor Jahren befürchtete.‘ Nachlese zu „Battlefield 1“

In früheren „Call of Duty“-Spielen, wie etwa „Finest Hour“ (2004) – siehe meine Dissertation, gab es schon mal Rollenbilder weit über „weiße Männer“ hinaus. Allerdings wurden diese im Narrativ stets „nur“ als interessante Ausnahmen präsentiert und portraitiert, sowie waren sie in ihren historischen Kontexten ebenso jeweils verortet, wurden also nicht (gleichzeitig) als realistische (Mulitplayer-)“Normalität“ verkauft.

Nachtrag: ‚Ja, da wurde offenbar schnell noch gesperrt – bevor das Presswerk erreicht worden war – also an der Software sonst irgendwas hätte verändert werden können. Wie das mit den Reglements von Sony und Microsoft (Xbox One) vereinbar wäre, wüsste ich spontan zwar nicht, aber es könnte auch an der Größe der Datenmengen liegen: dafür existieren bereits seit längerem Ausnahmen. Die 50-GB-Grenze der Standard-BD-Laufwerke wird von einer Mehrzahl der AAA-Titel heutzutage geschrammt – ich bin immer wieder erstaunt wieso so viele Spiele annähernd gleich groß sind, also zwischen 40 und 50GB haben: meine Vermutung ist dass da schon in der Produktion viele Kompromisse eingegangen werden.
Am PC finden Tüftler für gewöhnlich dann immer noch die Original-Assets, wie zuletzt etwa ein Nacktmodell in „Syberia 3“, aber die PC-Version hiervon ist – extra überprüft – leider sowieso nur ein Download. Schade!‘ GameStar-Artikel

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Zur (gegenwärtigen) Pornografie in Deutschland

Kommentar: ‚Na ja, auf „Zahlen“ wird bei der Recherche auch nicht gestoßen werden können: ich fürchte aber, dass die Vorstellung (mit den Geschichten um Arcor oder Google) trügt. Denn historisch betrachtet hat es für Deutsche relativ früh auch eigene Internetpornografie-Angebote gegeben. Die saßen dann etwa auf südeuropäischen Inseln wie Zypern oder Malta (ganz ähnlich übrigens immer noch im Glücksspiel-Bereich) und daneben waren auch solche die schnell aus dem Boden gestampft sich eigentlich „nur“ für den deutschen Jugendschutz bezahlen ließen, also legal im Land wuchern konnten. Viele davon haben das Web 2.0 (und damit die Tubes) zwar nicht überlebt, aber dafür kam anderes nach.

Wobei die eigentümliche deutsche Pornobranche erfahrungsgemäß kaum Konkurrenz aus dem Ausland fürchten braucht, denn eines scheint dabei vergessen zu werden: die Deutschen mögen zwar (so wie alle anderen im freien Westen) leichten Zugang zu US-Pornografie haben, aber davon profitiert diese etwa noch lange nicht.
Und das hat zwei wesentlich kulturelle Gründe: erstens scheint, abgesehen vom angenommenen Porno-Chic, für Leute die tatsächlich bereit sind für Pornografie im Internet Geld auszugeben die Sprachbarriere eine enorme Rolle zu spielen, weshalb es ursprünglich schon zur beschriebenen historischen Entwicklung kam. Deshalb setzen ja auch so viele Service-Anbieter im Videospiel-Bereich auf ein deutschsprachiges Marketing, um deutsche Kundschaft anzulocken.
Meinem Eindruck nach entwickelte sich in der Frankophonie übrigens ein ganz ähnlicher, eigener Porno-Kosmos – das heißt auch ohne eine rigide Gesetzgebung die Inhalte im öffentlichen Raum eigentlich untersagt (so wie formal in Deutschland): darüber hinaus haben die Porno-Tubes, also die weitgehend kostenlosen Videoportale hinter denen oft ein einziges Firmenkonstrukt (sogar mit Verbindungen zurück nach Deutschland) steckt, per Werbeeinschaltungen praktisch alle Cam-Portale angeschlossen – die wiederum eher die Grenzen zwischen Pornografie und Prostitution so sehr verschwimmen lassen, wie das im Zeitalter von Telefonsex früher (noch) gar nicht vorstellbar war: sind das noch traditionelle Inhalte die klassisch medial zu beurteilen sind, oder als Dienstleistungen nicht vielmehr Sexarbeit?

Zweitens sind die Deutschen immer noch Kreditkartenmuffel, während im Zeitalter der Tube-Pornografie die Zahlungsmoral ohnehin extrem gesunken ist. Und Internetpornografie-Rechnungen werden international immer noch vorwiegend mit Kreditkarten beglichen.
Von den großen „Middle Men“-Firmen kenne ich etwa gerade mal eine einzige die mit PayPal zusammenarbeitet, und somit tendenziell auch für Deutsche ohne Kreditkarte in Frage kommen könnte – sofern das PayPal Deutschland nicht wiederum unterbindet, weil das aus jugendschutzrechtlicher Sicht ja eigentlich nicht in Ordnung sein kann. Während andere Alternativen, so wie sie für Deutsche üblich sind, dabei noch seltener anzutreffen sind – zumal größere wie ClickandBuy gegen PayPal keine Chance hatten.

Selbst Georg Koflers ehemalige Vollerotik ist dem linearen PPV (pay per view) mittlerweile entwachsen und orientiert sich fürs IP-Geschäft zumindest teilweise an Branchen-üblichen Abo-Modellen. Wobei Sky Deutschland sowieso ein ganz eigener Fall ist: einerseits mit Tom Tykwer, der ARD und Degeto „Pornografie“ in „Babylon Berlin“ kritisieren, andererseits selbst Pornos vermarkten.
Denn gewissermaßen hat „der Gesetzgeber“ für Deutschland auch hier entsprechende „Rahmenbedingungen“ schon geschaffen, wenn einerseits die horrenden Preise, andererseits die Jugendschutz-Schikanen in Kauf genommen werden. Da das Angebot aber deutschsprachig ist, Alternativen zu Kreditkarten existieren dürften und es eben in Deutschland beworben werden darf, könnte es bei all jenen die sich scheuen internationale Angebote zu nutzen trotzdem erfolgreich sein – das hat die Vergangenheit gezeigt. Zumindest eine Zeit lang.‘

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