Fiktionale Gewaltdarstellungen werden nicht durch die Aufstellung neuer (oder alter) anderer Behauptungen über sie legitimiert

Was auch David Poland nicht zu verstehen scheint: nicht weil Bosley Crowther dereinst am Ende unverstanden blieb, oder „A Clockwork Orange“ „Anti-Gewalt“ wäre sind Ressentiments gegen Gewaltdarstellungen problematisch, sondern weil sie eben nichts weiter als Ressentiments sind – was auch Poland in seiner „Kritik“ am NYT-Artikel über die Warner Brothers an keiner Stelle so zu sehen scheint. Werturteile über künstlerischen Ausdruck sind keine Sachverhalte: weder „Die Wahlverwandtschaften“ (1809) noch „Bonnie & Clyde“ (1967), weder „Manhunt“ (2003/04) noch „Journey“ (2012) können in der Sache objektiv gut oder schlecht sein. Das Problem bleiben die Vorstellungen eines Dafür- oder Dagegen-Seins bei der Thematisierung oder Darstellung von Themen, Inhalten. Das Absprechen von Inhalten, oder die jeweiligen Unterstellungen diesbezüglich: wo Filme oder Games entweder so und nicht anders (angeblich) seien oder wahrgenommen werden könnten.
Im Gegenteil ist die Behauptung von „Anti-Gewalt“ schon weit eher selbst nichts anderes als „Gewalt“: sie will über den andersdenkenden Rezipienten, die Rezipientin mit einer anderen Interpretation, bestimmen, wenn sie diese Interpretation allein vorstellig macht, sogar noch in ein Feld führt wo sie dann allein wäre. Wobei das dann alles eigentlich keine Interpretationen mehr sind – stünde fest dass etwas so dafür oder dagegen schon wäre. Sich so oder so verhalten würde, in der einen oder anderen Form beschaffen wäre.
Diese Aufstellung von Wahrheiten, Empirien wäre es wogegen Poland wohl besser antreten sollte – nicht andere Behauptungen selbst zu produzieren: eigene moralische Gewalt. Geschichte legitimiert sich eben nicht selbst: nein. Nicht weil ein Geschmack seit den Sechzigern „Bonnie & Clyde“ eher favorisiert als verworfen hat, akzeptiert als abgelehnt, ist „Bonnie & Clyde“ legitim, sondern weil verschiedene Geschmäcker legitim sind: weil „wir“ hoffnungsvolle DemokratInnen hoffentlich in keiner Welt leben wollen in der ein Terror über richtiges oder falsches Empfinden bestimmt, sondern halt in relativer Freiheit (diesbezüglich). Doch warum weist Poland darauf nicht hin – geschieht das nicht, weshalb wird gerade das nicht gemacht: in welchen Gedankenwelten ist man so gefangen?

Oder vielleicht übt gerade Disney mit ihren Körperbildern, vorgefertigten Emotionalisierungen und normierten inhaltlichen Konzeptionen – von der Idee einer diese dann rezipierenden „Familie“ ganz zu schweigen – am allermeisten „Gewalt“ aus.

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