Neue Replik auf Andreas Garbe und anderem „kritischem“ Journalismus

Bei „Stigma Videospiele“: ‚Doch ich meinte damit eigentlich genau auch Ihre Beiträge hier (oder das was sich mir eben im Fernsehen und anderen etablierten Breitenmedien so darbietet). Und diese weiteren Kommentare von Ihnen unterstreichen die Gründe für diese meine Vorwürfe auch noch. Denn einen „Spieleredakteur beim Fernsehen“ mag das alles nunmal nicht betreffen, da für diesen Job bereits eine „richtige“ Einstellung vorliegen wird. Eine Einstellung welche Sie mit kurzen Formulierungen wie „leider gibt es auch Läden in Deutschland, die beschlagnahmte Spiele verkaufen“ bestätigen – welche Fässer damit auch immer (nicht) aufgemacht werden möchten.
Nur gibt es halt auch eine Publikumspresse im Land und die lebt seit mehr oder weniger Jahrzehnten da schon in Angst, wobei diese Angst wohl eine Mischung aus vorauseilendem Gehorsam, tatsächlich begründeter Sorge (da soll es zu diversen nur schwer greifbaren Vorgängen bis im Print zum Verlust ganzer Auflagen oder gar Zeitschriften wie der „PC Powerplay“ gekommen sein) und sublimer Zustimmung für die deutschen „Grenzen“ sowie Verfolgungen ist. Viel „Kritik“ gab es aus der Videospielpresse jedenfalls nie daran, weshalb die Zustimmung und ähnliche Einstellungen wie sie ein „Spieleredakteur beim Fernsehen“ demnach wohl schon haben beziehungsweise mitbringen wird müssen, auch dort überwiegen dürften. Also ein mehr oder weniger eklatanter Mangel an Verantwortungsbewusstsein für Medienfreiheit.
Deswegen kennen langjährige Beobachter dieser Presselandschaft kreative Wortschöpfungen wie alternative Titel für indizierte Spiele, um nicht einmal in die Verlegenheit kommen zu brauchen diese beim bloßen Namen zu nennen. Auch im Online-Bereich kann Berichterstattung mitunter abrupt enden – so etwa 2008 bei IDG, als ich selbst Zeuge wurde wie es dort zu „Gears of War 2“ plötzlich geheißen hat dass „hier unsere Berichterstattung“ enden würde und mit einem Schlag daraufhin sämtliche Artikel zu dem indizierten Spiel auch verschwunden waren. Nicht zuletzt hat etwa ein Rudolf Weiß, in einer „Studie“ auf die erst kürzlich hier verwiesen wurde, selbst Messeberichterstattung und damit das Vorfeld zu begrenzen gefordert. Also glatte Vorzensur, dass es etwa ein Titel wie „Dead Rising 3“ nicht einmal Monate vor Release in Kölner Hallen schaffen sollte. Manchmal geschah das von Industrieseite ja ebenfalls bereits freiwillig, aber das nur so nebenbei von meiner Seite.
Ob das bei der Gaming-Presse nun angesichts dessen alles übertriebene Reaktionen meist kleiner oder internationaler Verlage gewesen sind, welche sich damit halt auch der Rechtslage in Deutschland anpassen, sei dahingestellt, also ob es im Jugendschutzgesetz eine tatsächliche Grundlage dafür gibt oder ob dies nicht vielmehr mit anderen Rechten wie der Pressefreiheit kollidiert. Ausjudiziert schien mir da jedenfalls nie etwas geworden zu sein, und – siehe mein Beispiel mit Sony und dem Jugendmedienschutzstaatsvertrag beim „Senden“ von Telemedien – geht das in anderen Bereichen auch noch weiter. Die Praxis sah und sieht nunmal so aus. Und diese unterscheidet sich von der Berichterstattung im Fernsehen oder den fantasiegewaltphoben Ergüssen eines Christian Stöcker beim Spiegel, dessen Ansehen mit den Anerkennungen seines Organs praktisch einhergeht – und sich in Kooperationen wie früher mit der GEE oder heute der WASD noch verlängert. Die „Meinungen“ sind dabei, wenn schon nicht immer gleich, dann sich tendenziell sehr ähnlich – und gehen in wissenschaftlichen Vereinigungen wie der AG-Games erfahrungsgemäß noch weiter. Zum Beispiel allein bei einem fremdbestimmten Dispositivbegriff, das heißt wenn das eigene Sprechen ausgenommen wird: da gibt es weder eine Form der Selbstreflexion welche Distanz zur eigenen Vorstellung von „Kritik“ zulassen würde, noch eine das eigene System kritisierende Position. Und übrig bleibt etwa nur eine eingebildete Frontstellung zwischen angeblich notorischen „Spielekritikern“ wie vom „Kölner Aufruf“ auf der einen Seite, und einer vermeintlich aufgeschlossener „kritischen“ Games-Beobachtung auf der anderen Seite – jede mit ihren wissenschaftlichen „Beweisen“ für oder gegen problematische Auswirkungen, Nutzungsweisen, Risiken oder Chancen, autoritären Ideen über Bildung (Müller-Lietzkow) oder konstruierten Beziehungen zu Sport und/oder Glücksspiel ihren unterdrückend-ausgrenzenden Bestand feiernd, wobei es letztlich meistens sowieso nur um Geld, die Zuweisung von Förderungen, geht.
Nur daneben bestehen bleibt die davon ohnehin als minderwertig unterschiedene Videospielpresse und die Berichterstattung dort wird nunmal eher als „Werbung“ angesehen und den demzufolge zumindest als eher „unkritisch“ imaginierten Spielemagazinen, welche noch dazu von Anzeigen aus der malevolent gedachten Industrie abhängig sind, irgendwie sehr wohl mit Hand und Fuß vorgehalten werden können – während das ZDF oder Christian Pfeiffer eher über Steuergelder oder VW gesponsert werden.
Kurzum: Sie dürfen in Deutschland und darüber hinaus als „kritischer Journalist“ gelten. Seien Sie froh darüber – bei anderen ist das zumindest eindeutig weniger der Fall.

Sowie zu „Modern Warfare 2“: wenn Ihre Angaben tatsächlich stimmen sollten, wobei ich nicht weiß woher Sie Ihre Informationen beziehen und ich diese dementsprechend auch nicht nachvollziehen kann, dann hätte die BPjM „Modern Warfare 2“ auch umlisten müssen, weil das strafrechtliche Vergehen der Gewaltdarstellung und selbiges Verbot im Falle dieses Titels somit nicht erfüllt gewesen wäre. Und wie Rey Alp doch schon schrieb geht es hier wirklich um die Handlung bei der Herstellung. Gewissermaßen sieht das Gesetz in Deutschland nämlich bereits diese symbolische Handlung als verbotene Gewalt(verherrlichung, Verletzung der Menschenwürde etc.) an, also etwa die Präparation von Prothesen im Filmbereich, Latex usw. Ein Gericht stellt daraufhin lediglich fest was rückwirkend schon immer verboten war – nur weiß man das im Vorhinein eben nie so genau, kann gar niemand wissen, deshalb wieder der Verweis auf mein Bonmot „Videospiele für niemand“.
Eine solche Umlistung geschah jedoch etwa bei „Dead Island“. Nur Details kamen, wie ich in der anderen Newsmeldung zu dieser Sendung schon schrieb, dabei nicht ans Licht. Allerdings könnte das rechtlich auch andere Gründe haben, denn soweit ich als Nicht-Jurist mich wiederum im Recht auszukennen glaube reicht die (negative) Einschätzung einer Staatsanwaltschaft allein dafür schon nicht aus – da hätte zumindest versucht werden müssen Anklage zu erheben.‘

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