„Wolfenstein“ ja, aber sonst?

Befund als Kommentar: ‚Ich gebe zu bedenken dass die Änderung der Praxis einem Titel wie „Wolfenstein“ zwar nützen würde, andere wie das aktuelle „Call of Duty“ – oder ältere wie „Day of Defeat“, „Day of Infamy“, „Enemy Territory“ usw. – aber dann (noch) unmöglich(er) machen könnte, sogar ungeachtet der (nicht) verwendeten Symbolik. Und die Ausblendung des Holocaust kann (und wurde erfahrungsgemäß leider auch – etwa als vielzitierter „Elefant im Raum“) diesen ebenfalls zum Vorwurf (und letztlich Verhängnis) gemacht werden.
Bei „Wolfenstein“ hat Machine Games jetzt ja schon auf einem Multiplayer-Modus verzichtet, aber auch das ist vorher PR-mäßig sicher streng kalkuliert worden – würde es mich jedenfalls überraschen, tauchte jetzt zum indirekt bereits angekündigten dritten Teil plötzlich ein solcher Modus auf.
Und AutorInnen wie Christian Schiffer oder Michael „Schulze“/Glaßer würden zweifellos umgehend jedes Spiel indem dann die deutsche Seite verkörpert werden kann zu einem „faschistischen“ erklären, zumal im deren Positionen begünstigenden Diskurs zwischen Wehrmacht und Nationalsozialismus kaum mehr unterschieden wird. Diese Bekenntnislogik, welche da jedes Mal durchschimmert, ist für fiktionale Medien grundsätzlich nicht hilfreich – sie verhindert nämlich jede Möglichkeit von Ambiguität und Ambivalenz, alles als „für“ oder „gegen“ zu identifizieren. Die allem zugrunde liegende, affirmative Interpretation, denn „Wolfenstein“ kommt nur deshalb (verhältnismäßig) so gut weg, weil es den Antifaschismus bejaht (!).
Doch dass „Wolfenstein“ antifaschistisch ist, ist zwar interessant und in jedem Fall erwähnenswert, aber nicht unbedingt relevant – im Gegenteil:

„gefährlich“ und höchst undemokratisch (!) ist es vielmehr von einem Medium eine bestimmte politische Haltung sublim einzufordern, bevor es quasi vertreten werden kann – es gewissermaßen nicht mehr „nur“ reicht dass etwas kein Propagandamittel darstellt, oder diese Propaganda dem Medium trotzdem wieder unterstellt wird. Siehe frühere „Call of Duty“-Teile, die noch nicht so „politisch korrekt“ waren wie sie sich heute geben, oder den „Medal of Honor“-Reboot von EA aus dem Jahr 2010, welcher von der Presse brutal in der Luft zerrissen wurde und für „dumm“ gehalten wurde, nur weil er – ähnlich wie später Eastwood’s Film „American Sniper“ – höchst unbequeme Fragen stellte. Von der Folge für Strategiespiele wie „Hearts of Iron“ ganz zu schweigen – die entsprechenden Schlagzeilen kann sich in etwa jedeR selbst ausmalen: „Computerspiel erlaubt es mit Nazis den Krieg zu gewinnen“, oder so.‘ Ganzer Artikel.

„Würde die meiste Erinnerungskultur nicht auf eine einzige Emotion abzielen, nämlich Betroffenheit, und in ihrem Wesen lebendiger – weniger musealisiert, wäre ihre Akzeptanz vielleicht auch größer.
Den Menschen fehlt sonst oft wohl schon der Bezug – viele können damit dann gar nichts mehr anfangen, was politische Bildung um so schwieriger macht und die Schlussstrich-Mentalität, Revisionismen, Verschwörungstheorien und Reflexe bis hin zu Leugnung oder Relativierung praktisch überhaupt erst befeuern mag.

Handlungen wie das Schießen in diesem Shooter-Genre sind etwa nunmal nicht nur auf die aktive Gewalt zurückzuführen und damit Machtfantasien, sondern weisen immer auch auf das mögliche Sterben im nächsten Moment hin – also Ohnmachtfantasien.
Und ähnlich verhält es sich mit der Moral, mit Gerechtigkeit und Ungerechtigkeiten wie Verbrechen.“

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