Marketing-Politik/DRM: Konsolen und Computer, Shopping und Spielen

Im VDVC-Forum:

‚(…) die Konsolenmarktplätze sind sich prinzipiell wie reale Geschäfte ohne Alternativen vorzustellen. Wer woanders einkaufen will muss sich ein eigenes Konto dafür einrichten, seine Adresse fingieren usw. Also sich schonmal in eine rechtliche Grauzone bis in die Illegalität begeben. Und auf einer Konsole wie der Wii funktioniert selbst das nicht, da diese immer die IP-Adresse abfragt (aber dafür auch kein Spielen – siehe unten – verhindert, es geht eben immer nur ums Shopping, nur kann das – wie ich noch zu zeigen versuchen werden – auch weitreichende Auswirkungen auf das Spielen haben).
Eine Ausnahme (beim Shopping) bildet lediglich die Xbox One mit ihrer Cloud, da sie allein über die Sprach- und Ländereinstellungen der Konsole Zugriff auf jedes Geschäft in allen möglichen Territorien erlaubt. Und wie ich höre kann darüber sogar problemlos eingekauft werden. Gespielt sowieso.

Ob Inhalte zwischen zensiert und unzensiert immer inkompatibel sind lässt sich mit Sicherheit aber wohl nicht sagen. Auch besteht oft Inkompatibilität zwischen Sprachversionen, manchmal hatte ich damit aber wohl keine Probleme.
„Dead Space 2“ ist aber schon insofern ein krasser Fall, da es zensiert und unzensiert wie zwei eigene Spiele behandelt wird. Allerdings ist das auch bei anderen Titeln manchmal so. Und für „Dead Space 2“ gab es nur einen größeren DLC, das Add-On „Severed“, das eben für die deutsche Version erst gar nicht erschien.

Wenn Du jedoch eine internationale Version hast kannst Du damit prinzipiell spielen. Genau so wie ich hier in Österreich mit einer zensierten deutschen. Also das funktioniert immer auch im umgekehrten Fall.
IP-Sperren gibt es auf Konsolen für Spiele überhaupt nicht. Du greifst auch nicht auf einzelne Server direkt zu, sondern einen Dienst wie dem PSN, Xbox LIVE und diejenigen Server welche EA und Co. dann und mit gegebenenfalls namentlich eigenen Diensten darüber verbinden. Diese Dienste überprüfen nicht, wo Du herkommst. Anders als auf Steam und Co. gilt es dort auch keine Titel erst freizuschalten. Die Lizenz ist die Disc im Laufwerk. Das ganze DRM funktioniert, auf alten wie neuen Konsolen, über die Cartridges und optischen Medien.

Die Probleme beginnen auf Konsolen erst, sobald es um die „digitalen Käufe“ geht – mit Ausnahme vielleicht von eben der Xbox One. Denn das einzige was Du gegebenenfalls nicht bekommst sind etwa die DLCs über die Marktplätze. Oder ganze Spiele, also die „digitalen“ Versionen dieser.

Das Problem beim Spielen ist nur, wenn Du dafür zum Beispiel einen Pass (der ist als DLC auch ein Item vom Marktplatz gewesen) gebraucht hättest: wenn Du das Spiel neu gekauft hast, hast Du einen Code für diesen Pass dazubekommen, den Du dann auch am deutschen Marktplatz einlösen versuchen könntest. Ob es darauf dann gegebenenfalls IP-Sperren gab kann ich jedoch nicht sagen. Ich erinnere mich nicht daran von Beschwerden diesbezüglich je gelesen zu haben. Diese Onlinepässe sind heute allerdings Geschichte, die gab es bei EA oder Sony nur ein paar Jahre.

Also für diese paar Jahre betraf die DLC-Problematik nicht nur Lizenzen für Zusatzinhalte oder eigene Spiele (ohne Discs), sondern auch das Multiplayer-Spielen. In meinem Fall mit „Dead Space 2“: am österreichischen Marktplatz hab ich diesen (deutschen) Pass nicht, deshalb kann ich das deutsche „Dead Space 2“ im Multplayer mit meinem angestammten Konto auch nicht spielen. Das einzige was ich hier habe und etwa kaufen könnte ist das Singleplayer-Add-On „Severed“, nur könnte ich das mit meiner deutschen Version dann wiederum nicht nutzen.
Die Problematik betrifft, wie ich schon schrieb, so aber nicht nur zensierte und unzensierte Versionen, sondern auch unterschiedliche Sprachfassungen. Mit Zensur hat das deshalb nur bedingt was zu tun und neuere Spiele, ebenso wie die beiden neuen Konsolen von Sony (PS4) und Microsoft (Xbox One) insgesamt, weisen die Passproblematik sowieso nicht mehr auf. Das war ein exklusives Problem der vorherigen Generation.

(…) „Syndicate“ wurde in Deutschland dann (2012) nicht veröffentlicht. Es wurde später auch auf A indiziert. Was ich meinte war: es gab ebenfalls keine zensierte Version, weil diese wohl zu tief in die Spielmechanik eingegriffen hätte (ähnlich wie beim ersten „Army of Two“ das wahrscheinlich deshalb auch nie in Deutschland erschien …). Ähnlich wie bei „Medal of Honor“ (2010) hieß es zwar irgendwo in der Presse glaub ich mal, man wolle das negative „Syndicate“-USK-Urteil anfechten, wo es Jahre später dann zu „Medal of Honor“ die Nachricht gab dass das nichts gebracht hätte, aber was aus diesem „Syndicate“ geworden wäre, hat man jedenfalls nie erfahren.‘

Ergänzungen vom 22. August: ‚Für die Wii gibt es keinerlei DLC im Sinne von Add-Ons für Spiele aus dem Retail. Zumindest ist mir im Westen (das heißt etwa Japan mal offen gelassen) nichts in der Form bekannt.
Auch wurden keine Titel aus dem Retail zum Download angeboten, Stichwort „digitaler Kauf“. Vor 3DS und Wii U bot Nintendo insgesamt nur sehr kleine Datenmengen als DLC an. Wie Patches, kleinere Spiele die nur per Download erhältlich waren und Add-Ons dafür.
Für PS3/4 und 360 gilt eben die Erstellung eigener Konten samt Angabe eines (eventuell fingierten) Wohnsitzes im Ausland etc. Auch gebe ich zu bedenken, dass erfahrungsgemäß die Herkunft von Kreditkarten zumindest teilweise abgefragt wird, samt entsprechender Verweigerungen oder Sperrungen im Laufe der Zeit.
Da die Deutschen stereotyp aber sowieso Kreditkartenmuffel sind gibt es Alternativen mit eigenen Gutscheinen (je nach Region), die nachweislich funktionieren. (…)

Wichtig wäre wohl sich zu merken, dass es für die alte Wii (nicht Wii U!) keine Konten gab. Alles was gekauft worden ist wurde bloß an die jeweilige Hardware gebunden. Allerdings habe ich mit solchem IP-Wechsel, wie VPN, keinerlei Erfahrung, und weiß demnach auch nicht, was mit diesen Kaufdaten auf der Konsole geschieht, wenn plötzlich die IP geändert wird.

Noch wichtiger, dass das alles sehr theoretisch ist. Da es (vielleicht mit Ausnahme manch japanischer Sachen, siehe oben) keine digitalen Inhalte geben wird, die jemand für die Wii aus dem Ausland haben will.
Denn wie ich schrieb gab es die problematischen Retail-Titiel („Manhunt 2“, „Mad World“) zum Download gar nicht. Und die nur digital erhältlichen Spiele hießen auf der Wii „Wiiware“ und da wäre mir schonmal kein einziger Fall bekannt.

Das einzige was so überhaupt in Frage käme, war die sogenannte „Virtual Console“ für die Wii. Über diese Marke verkauft Nintendo nämlich Emulationen von Spielen für ältere Konsolen auf ihren neuen Geräten (ab der ersten Wii).
Und zu berücksichtigen ist dabei das familienfreundliche Image, welches Nintendo pflegt – besonders seit der Wii. So erschien etwa „Mortal Kombat“ nicht für Virtual Console und wie Ed Boon erst im Mai anmerkte, wird sich das auch für die Wii U nicht ändern, wobei es auch um technische Probleme und Lizenzen über etwa Warner gehen wird: http://www.ign.com/articles/2014/05/05/dont-expect-mortal-kombat-series-on-wii-u-virtual-console

Die Wii U weist wie die (HD-)Konsolen von Sony und Microsoft eine Kontenbindung auf, wird aber – da in ihr eine alte Wii praktisch eingebaut ist (analog zum Verhältnis Wii-GameCube) – auch wie die erste Wii die IP-Adresse abfragen. 100%ig kann ich Dir das aber nicht sagen.
Und für die Wii U gibt es erstens nicht sehr viele Spiele (weder als Download noch im Retail) und zweitens gab es auch im Retail nur einen einzigen Zensurfall, wobei selbst dieser nicht mehr aktuell ist (eventuell gilt diese Information aber wieder nur für den Westen): Anfang 2013 erschien für die Wii U das Retail-Spiel „Ninja Garden – Razor’s Edge“ nämlich nicht in Deutschland, weder auf Disc, noch als Download. Ein halbes Jahr später hat die USK überraschend jedoch ein Kennzeichen dafür erteilt, woraufhin das Spiel im „E-Shop“ (so heißen die digitalen Nintendo-Geschäfte auf 3DS und Wii U) für die Wii U erschien. In den deutschen Retail-Handel kam die Disc-Version afaik dennoch nicht.

(…)

Du kannst Dir immer, überall, neue Konten erstellen. Nur brauchst Du dafür immer eine neue E-Mail-Adresse, eine eigene reale Anschrift in dem Land und gegebenenfalls ein funktionstüchtiges Zahlungsmittel (für dieses Land).
Du kannst dann damit aber auch nur auf die digitalen Inhalte zugreifen, die Du speziell an dieses jeweilige Konto gebunden hast, weshalb die Führung mehrerer Konten nicht wirklich Sinn macht oder wünschenswert ist – zumal etwa bei Microsoft der Multiplayer kostenpflichtig ist. Am besten ist, Du erstellst Dir ein Konto in einem Land wo Du den jeweiligen Inhalten nach am liebsten sein möchtest.

Nur zum allgemeinen Verständnis, weil Du etwa zwischen “deutsch” und “international” zu unterscheiden scheinst: einen “internationalen” Shop gibt es nicht, es gibt nur Werbung ohne Konto (!). Auch solltest Du Dir das reguläre Internet auf Konsolen nicht so vorstellen wie das WWW. Das sind geschlossene Systeme, dem Usenet weit ähnlicher als dem WWW.
Da gibt es innerhalb eines Kontos keine Auswahl. Eine WWW-Anbindung kam zum Beispiel auf der 360 auch sehr spät, viele Jahre nach dem ursprünglichen Release der Konsole und die Internet Explorer-App welche da zur Verfügung gestellt wurde hat mit dem Rest des Geräts herzlich wenig gemein.
Ebenso sollte sich vergegenwärtigt werden was ein “Kauf” alles sein kann: wolltest Du auf der 360 ein Video laden, wurde das etwa schon als “Kauf” gerechnet. Mittlerweile spielt das zwar keine Rolle mehr, weil bei den neuen Konsolen Videos nur mehr gestreamt werden, aber so war das wenigstens mal.
Sony tut das bei solchen Kleinigkeiten die nichts kosten nicht, aber Microsoft. Vielleicht kennst Du das aber auch schon von GWL. (…)

Die realen Adressen (Anschriften) werden jedoch vermutlich sehr wohl mal überprüft – eben bis hin, wie ich schon schrieb, zum Abgleich von Kreditkarten, und das betrifft im Übrigen auch sogenannte virtuelle Kreditkarten die dann gesperrt werden können. Am besten ist deshalb man besorgt sich eine Gutscheinkarte für den Shop und bindet überhaupt kein Zahlungsmittel an so ein Konto.
Die vielleicht noch immer oft vorgebrachte Sorge, dass dann aber mal das ganze Konto gesperrt werden könnte, würde ich allerdings in das Reich der Legenden verbannen. Es gilt wohl das Blues-Brothers-Motto: keep cool! Die Konzerne tolerieren die Existenz dieser Konten, mehr oder weniger nachweislich.
Zu Beispielen: sehr gut sind bei Microsoft die Xbox 360-Spiele “Gears of War” (gab es in Österreich auch für GWL, die Windows-Version kaufte ich glaub ich sogar dort, also im GWL-Shop früher) und “Gears of War 2”, denn dafür gab es jeweils auch DLC (im Sinne von Add-Ons).

Was tatsächlich in Deutschland verkauft wird, kann ich als Ausländer oft nicht sagen. Vor allem was zum Beispiel Steam angeht, wo es mittlerweile wirklich viel mehr Spiele als auf den Konsolen gibt. Ich bin da häufig auf korrekte Informationen über die Presse angewiesen, oder eben Hörensagen.
Leider greifen Datenbanken wie die OGDB in erster Linie den Retail auf und orientieren sich an den Interessen von Regalsammlungen. Die digitale Verfügbarkeit für Konten fällt so oft unter den Tisch.
Und die offizielle OLJB/USK erzählen im Einzelfall bekanntlich weiterhin nicht, was sie abgelehnt haben.
Deshalb machte ich auch diese Fehler in Hinblick auf “Army of Two”: ich habe mir schon oft überlegt, ob ich etwa einen Thread hier aufmachen soll, der sammelt, welche Steam-Titel in Deutschland nun nicht oder nur zensiert verfügbar sind, aber mangels Übersicht halte ich das schon für zu schwierig. Ob solche Listen woanders existieren, etwa bei der Uncut-Gruppe von Steam, weiß ich nicht – ich habe sie jedenfalls noch nicht gefunden…

(…)

In der vorherigen Konsolengeneration wurden Spiele aus dem Retail prinzipiell von Disc geladen. Nur bei Sony mussten Daten teilweise installiert werden und Microsoft bot später optionale Installationen ganzer Spiele an, die aber unveränderlich waren – das heißt sie waren wie Discs auf den Festplatten gemountet. Letzteres betraf auch einige Inhalte und Spiele, die zuletzt für die 360 erschienen und nicht mehr auf eine DVD passten (zum Beispiel der Nürburgring im dritten “Forza” oder dermaßen zu mountende Installationsdisketten für “GTA V” und “Watch Dogs”, Texturpakete für “Battlefield 3”).
Erst auf PS4 und Xbox One muss jetzt alles installiert werden. Einen bestätigten Fall, dass eine dieser Installationen sozusagen nachträglich per Patch zensiert wurde – von den bislang veröffentlichten Spielen könnte das eigentlich nur ein “Wolfenstein – The New Order” betreffen – gibt es wahrscheinlich nicht. Ich habe zwar von solchen Geschichten gehört, besonders glaubhaft fand ich diese allerdings nicht.

(…)

Ein “Games for Windows”-Account ist identisch mit einem Xbox-Account! Und kann etwa auch für die Xbox-kompatiblen Windows 8-Einkäufe verwendet werden, von denen ich schrieb. Dafür gilt somit auch alles was ich über Konsolen schrieb, der Client imitiert sogar eine 360.‘

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