Kommentar zu Deutschland und „Lobpreisungen“ von Gewalt…

Im VDVC-Forum: ‚Was sind bitte „männliche Tugenden“? Was wäre auch eine „Glorifizierung“ – oder anders gefragt: was ist Ruhm? Entschuldigung, aber soweit ich das sehe werden damit über Bestimmungen und Verweise (wie auf kommentierende Literatur, welche erfahrungsgemäß genau dasselbe tut) mittels einer Beschreibung der (vorhandenen) Möglichkeiten Begriffe lediglich ersetzt, anstatt näher definiert oder weiter eingegrenzt – was ja wohl der einzige Sinn des Ganzen wäre, gar nur sein könnte um auch nur irgendwie wo punkten zu können… Wie soll das ebenfalls vertreten werden? Ich will zwar keinen Advocatus Diaboli hier performen, aber die „Menschenwürde“ und letztlich selbst im Strafrecht der Gedanke an „Jugendschutz“, sind etwa zwei ganz zentrale Reden welche damit keineswegs umgangen werden, da populäre Medien – und um nichts anderes geht es hier – immer auch als negative Gefahr für eine normierte Jugend gedacht werden. Wie soll dem also irgendwer wesentlich anderer in relevanter Weise zustimmen? Genre-Konventionen, Gewaltspitzen etc. werden doch schon jetzt berücksichtigt – auch da könnte so gegenteilig argumentiert werden, von „Sichtwechsel“ und Konsorten etwa, dass dies „uferlos“ geschehe und etwa das Gewaltdarstellungsverbot deshalb nur unzureichend greift. Das geht doch an jeder Realität völlig vorbei, aller „Freiwilligen Selbstkontrolle“ usw.
Allein wenn ich bei „Menschenwürde“ und „Jugendschutz“ mal gedanklich bleibe. Wie soll das gehen? Wieso wären heute (noch) betroffene „Schriften“ wo nicht erfasst?
Ersterer Menetekel befindet sich an erster Stelle in Eurer Quasi-Verfassung, dem Grundgesetz. Zweiterer ist auch dort verankert und jede Bezugnahme wird früher oder später darauf hinauslaufen – nicht auf Gesetze und deren Interpretationen, sondern Werte welche damit in Verbindung gebracht werden. Von der öffentlichen Wahrnehmung ganz zu schweigen: da fehlt doch immer irgendwas, wenn etwa die Schutzalter welche es sonst gesetzlich gibt gerade unangetastet bleiben (sollen), jedwede „Würde“ die anders sehr wohl genehm und zweckmäßig erscheint: nein, die einzige Möglichkeit die ich sehe, ist, das Gesetz mit seinen eigenen Waffen zu schlagen – mit exakt denselben moralischen Vorwürfen welche scheinrational ethisch vorformuliert wurden und seit Jahrzehnten nun schon exekutiertes Gesetz sind –

(…)

Jedes Zusammenleben zwischen Menschen wird letzten Endes auf irrationalen Überlegungen basieren, ansonsten regiert am Ende auf alle Fälle das „Recht“ des Stärkeren. Und damit das nicht geschieht müssen (!) schwächere Menschen geschützt werden.
Menschen die ansonsten keine Stimme haben – keine effizienten „MacherInnen“, keine mit „nützlichen“ Fähigkeiten. Um diese Menschen, niemand sonst, kann es hier aus meiner Sicht gehen.

Diesen Schutz gewährleisten mitunter Gesetze, soziale Einrichtungen usw. Und in dem Fall wären die Betroffenen, die wenn man so will „Opfer“, eben all jene welche unter dem Gewaltdarstellungsverbot leiden, potentiell zu „Tätern“ gemacht werden, zumal diese nicht beabsichtigen, so wie es ihnen darüber unterstellt wird, anderen über symbolische Handlungen hinaus Schaden zufügen zu wollen – so wird hier aber ganz und gar nicht argumentiert, und dagegen will ich hier meine Stimme erheben. Die Wahrnehmung der symbolischen Handlungen bleibt hier völlig außen vor, ihr wird sogar nicht einmal im Ansatz widersprochen.
Doch allein in dem einen Zitat aus Karlsruhe finden sich unzählige Begriffe bei denen keine Objektivierung möglich ist und die auch keine Darstellung von Sachverhalten betreffen, sondern bloße fremdbestimmte Zuschreibungen sind, prinzipiell nichts anderes als negative Gefühlsregungen. Wie immer wenn von Grausamkeit, Unmenschlichkeit, Verachtung usw. usf. gesprochen wird.
Wie sollen die eine Grundlage bilden auf der dann trotzdem (!) Begriffe (noch weiter) abgewägt werden? Dieses Sprechen? Zumal die Abwägung selbst (wieder!) voll entsprechend emotional geprägter Begrifflichkeiten ist?
Oder anders ausgedrückt: was für eine Vernunft oder Logik soll das (dann noch) bitte sein? Sorry, aber das ist absurd.
Die humanistische Tradition, geistesgeschichtliche Überlegungen seit spätestens Hegel, können doch nicht so einfach aus der Welt geschafft werden. Das einzige was zusätzlich geschieht, ist, dass eine Form von Scheinrationalismus gepflegt wird. Im Gegenteil gelte es im Sinne von Geltung und Zustimmung jedoch weit eher diesen zu entlarven, zu zeigen wie so über das Leben der anderen zu bestimmen gedacht wird, wenn sonst sehr wohl das handelnde Subjekt im Zentrum von Rechtsprechung steht.
Die Frage wäre demnach vielmehr wie die Handlungen dieses Subjekts in den betroffenen Fällen überhaupt aussahen, nicht wie Darstellungen interpretiert werden. Während das Zitat dabei ganz klar sagt: nein, auch Darstellungen (bis hin zu Fantasien über „menschenähnliche Wesen“) können diese problematische Bedeutung (erlangt) haben.
Das einzige was aus meiner Sicht deshalb vernünftiger (sic!) Weise getan werden kann, ist, auf sich selbst als sprechenden Menschen, das heißt als Subjekt, zu verweisen, ein Objekt das im Diskurs oder bei Gesetzen von Bestimmungen wie Normen genauso betroffen ist oder wäre wie imaginierte Risikogruppen, dessen Interessen auch schützenswert sind usw. Und dass diese Bestimmungen eben dieses Subjekt schädigen, diskriminieren etc. Das ist alles.
Wobei meine Differenzen vermutlich dahingehend beginnen wie eine „engere Auslegung“ bestimmter Begriffe überhaupt aussehen könnte, das heißt wie etwa „Gewaltverherrlichung“ so definiert wäre dass sie einer „engeren Auslegung“ entsprechen könnte. Mir fehlen da schonmal völlig die Bezugs- und Anhaltspunkte, außer etwa „Aufrufe zu Gewalt“ gegen bestimmte Gruppen, Einzelpersonen (Weiterleitung ans Persönlichkeitsrecht) oder eine Allgemeinheit (allgemeine Misanthropie), wobei das meiste davon wohl schon im 130er erfasst sein dürfte. Abgesehen von eindeutig rassistisch motivierten Produktionen würde mir höchstens dieses kolportierte „Hatred“-Projekt einfallen, von dem es zumindest im Vorfeld jetzt heißt es würde einen „Hass“ gegen eine Allgemeinheit abbilden wollen, aber selbst da könnte interpretatorisch von einer fiktionalen Welt ausgegangen werden und die Allgemeinheit im Sinne von „Volk“ bereits hinlänglich gesellschaftlich geschützt. Was würde also eine „explizite“ Gewaltverherrlichung von einer „impliziten“ unterscheiden, außer die Drohung, Vorbereitung von Gewalt? Denn dazwischen wird ja jetzt schon unterschieden. Dennoch: das was den medialen Darstellungen zur Last gelegt wird ist in jedem Fall eine Affirmation, also eine Befürwortung und keine „Kritik dagegen“, egal ob dafür jetzt „Menschenwürde“ oder „Jugendschutz“ aufgewendet wird. Und hinzu kommt halt, dass die Wirkungsvermutung bei letzterem Recht für Regulierungen auch schon ausreicht.

(…)

Auf (…) Diskussionen wollte ich mit dieser Einleitung auch nicht hinaus, sondern das was mit dem Zitat allein schon an Information bekannt ist erscheint mir keineswegs rational getragen zu sein, und wie darauf gegebenenfalls zu reagieren wäre – ähnlich gefühlsbetont, also irrational. Gewissermaßen scheinst Du mir in der Einschätzung der Situation ja sogar zuzustimmen, indem Du in diesem Zusammenhang doch von Ressentiments sprichst. Die Grundlagen dieser gesetzten „Würde“ zu erörtern wäre dann bloß der nächste Schritt, wo ich meine mit meiner Rationalitätskritik anzusetzen, wofür ich im Übrigen nur Dein eigenes BVerfG-Zitat gebrauchte – alles andere wäre wohl auch nicht sinnvoll gewesen: nur die „Ressentiments“ wurden in dem Fall ja nicht von irgendeiner aufgebrachten Person von der Straße im Fernsehen vorgetragen, sondern sind wenn dann schon gerichtlich artikuliert worden. Und wieso sollen dann, wenn das schon so der Fall ist und jedenfalls für mich wie selbstverständlich auch rüberkommt, diese Einwände verstanden werden: das Bestimmtheitsgebot hätte Deiner Auffassung von seiner Bedeutung zufolge doch schon längst (auch) die Möglichkeit des Zitats, dass ein Gericht zu Menschenwürde überhaupt so argumentiert – bloßgestellt im Wissen dass sie mitunter über alles andere als rationale Figuren wie Zombies reden (wir reden hier schließlich über das Urteil zum „Tanz der Teufel“) -, verhindert (zur „Gewaltverherrlichung“ äußerte es sich ja nicht einmal): das Thema ist eben eine „Verfassungsbeschwerde gegen § 131 StGB“, wofür in jedem Fall (auch) eine Form der funktionalen Kommunikation hergestellt werden muss um bestenfalls gegenseitiges Verständnis zu erreichen, ansonsten wird in jeder Beschwerde aneinander vorbei geredet. Und von da her ist so eben schonmal bekannt wie über „Würde“ gedacht wird und kann ich mich in meiner Argumentation dementsprechend darauf einstellen. Das sollte dabei doch nicht übergangen oder gleich negiert werden, indem einfach andere Zitate verwendet werden (können) – nämlich die welche einem gerade passen.‘

Exklusiver Nachtrag: das deutsche Gewaltdarstellungsverbot hat aus meiner Sicht noch eine weitere Dimension über die in keinem Fall bislang noch gesprochen wurde. Es erfüllt eine wichtige soziale Funktion die in Hinblick auf seine Vorgabe unerwartet und überraschend ist.
Und es ist demnach zwar vielleicht nicht verhältnismäßig (oder „bestimmt“), aber für ein sozial normiert gedachtes Gefüge doch sehr zweckmäßig, denn es beseelt den (historischen) Drang nach ideeller Abgrenzung: würde es wegfallen, gäbe es nichts mehr über das sich in seinen Bereichen ausreichend empört werden könnte, keine Entrüstung der Abgrenzung und Aussortierung (potentiell) betroffener Medien wäre dann mehr möglich. Es gäbe nur mehr Dokumentationen von Straftaten und den weiterhin viel zu nebulösen Bereich pornografischer Darstellungen. Das Fiktionale eindeutig zu sehr in der Schwebe (gehalten) und damit für die meisten (immer noch vorhandenen) mentalen Vorstellungen im Land wahrscheinlich viel zu frei, während die Grenzen der Ideale seiner (erst neuerdings) offenen Gesellschaft über Repräsentation ohnedies eng gesteckt erscheinen.

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