Menschenverachtung hat viele Gesichter

Und keine davon sind unbedingt verschleiert: die gestrige Sendung „Anne Will“ hat mich zum ersten Mal seit der „Killerspiel“-„Debatte“ dazu gebracht den Fernseher aus Gewissensgründen während eines laufenden Programmes „öffentlich-rechtlicher“ wieder auszustellen. Der menschenverachtende Umgang mit einem Schweizer Gast war dort einfach unerträglich, und wurde von Minute zu Minute unerträglicher.

Von Religionsfreiheit erstmal keine Spur, ein bedrohtes Christentum gab unvermittelt den abwehrenden Ton an – mit einem assimilierten (und trotzdem ständig herausgeforderten) Islam als repräsentativer Gewähr: anstatt sich etwa darüber zu unterhalten welche Religionsausübung keine politische Äußerung implizieren würde, wurde ständig die Vorstellung von Radikalität als kollektiver Bedrohung geübt, sowie sich am Symbol der Verschleierung als unerhörter „Provokation“ gerieben: ein später beim Spiegel in den höchsten Tönen gelobter Psychologe tat sich dabei am menschenverachtendsten hervor.

In einer völlig verqueren Logik behauptete er die verschleierte Frau würde ihn auf die Ebene eines Sexualobjekts reduzieren: das sollte sich besser einmal auf der Zunge zergangen werden lassen – diejenigen Leute welche Sexualität aus dem öffentlichen Raum ja komplett verbannen wollen, beschweren sich also noch darüber, dass Sexualität „unterdrückt“ werden würde. Demnach würde sowohl „Verhüllung“ als auch „Enthüllung“ Menschen „objektifizieren“, also der dieser Logik zugrunde liegenden Ideologie zufolge „entwürdigen“.

Als Invalider verfüge ich für gewöhnlich nunmal über keine männliche Identität – die Wahrnehmung erfolgt quasi nur über Formalitäten von Amtswegen, doch anscheinend braucht es in dieser Gesellschaft demnach erst wieder eine vollverschleierte Frau, dass ich als Mann respektiert werde: wenn Sexualität schon in dieser Form eine Reduktion wäre – ja wer bitte wenn nicht jene, welche keine „Sexualisierung“ des öffentlichen Raums mehr haben wollen, respektieren dann Menschen nicht mehr als sexuelle Wesen?

Der Gipfel war schließlich noch, dass so jemand kurz sogar „Nietzsche“ im Wort führte: ja genauso widerlich kann sich das versammelte westliche Patriarchat gegenüber einer jungen Frau auch gebärden – zumal dann wenn die Moderatorin gleichzeitig anscheinend unbedingt einen neuen Rekord in Sachen Suggestivfragen aufstellen möchte – einer Religion in perfider Weise beständig Gewalt nahe legend: nein, die Muslima ist nicht „gescheitert“. Ganz im Gegenteil: sie hat dem ihr entgegen gebrachten schlichten Hass sogar beeindruckend und in wohl überlegten Worten Paroli geboten, sich klug artikulierend, friedlich und ruhig geäußert, zumindest solange bis die Ablehnung der anderen mir zu viel wurde – für alle die ihre Sichtweise auch hören wollten und nicht nur vorgeben sie nicht zu verstehen, oder dies gleich gar nicht tun können würden. Gescheitert ist dafür einmal mehr eine Gesellschaft bei der Inklusion und/oder Diversität nur schöne Worthülsen sind – Neusprech zur Verschleierung (sic!) Gegenteiliges -, wo „nachhaltig“ vor allem weitere Ausgrenzung bei Nicht-Assimilation ist, immer weniger Lebenschancen sind – die Gewaltkarte, der Gewaltvorwurf in den noch absurdesten Situationen ständig militant Gewehr bei Fuß steht, gegen jede tatsächlich andere Position die scheinbar einzige, selbstherrliche Gewissheit darstellt.

9. November: Kommentar – zu eher nur vermeintlich Gegensätzlichem: ‚Siri Hustvedt behauptete im öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen unverhohlen, dass Frauen

die Trump unterstützen an „Selbsthass“ leiden würden. Dabei hat die Mehrheit weißer Frauen ihn gewählt: wer so über andere Menschen spricht sollte sich ihre Begriffe von Hass, Verachtung, sozialer Ausgrenzung, Inklusion, Diversität, Sexismus, Misogynität und Respekt für Andersdenkende dringendst überlegen.
Sich fragen welches „wir“ vereinnahmt: ich hoffe jedenfalls, dass diese Wahl wenigstens etwas geholfen hat jene Überheblichkeit zu lindern. Nicht zuletzt hat die sonntägliche Sendung „Anne Will“ gezeigt wie Rassismus auch aussehen kann, vor allem dann wenn es um die Zuschreibung von Gewalt geht: eine Gesellschaft welche in erster Linie Anpassung fordert – mit Diskriminierung die durchaus bei Frauen beginnt, welche nicht berufstätig sind -‚

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