Hauptsache Untote besudeln einem nicht, oder: die Videospielwelt braucht noch viel mehr Sex

Was ist medial legitim dargestellte (Hetero-)Sexualität? Zwischen Rockkonzerten eine dementsprechende Beziehung à la Michael Winterbottom zu führen – für junge Leute und Körper? Normaler, gesunder Geschlechtsverkehr. Die Vorstellung sozialer Kompetenz. Vielleicht nach einem etwaigen Studium, während eines geregelten (Arbeits-)Alltages und vor trauter Familien- und Heimplanung. Das bürgerliche Stereotyp. Sexualität als eine Nummer zwischen der Auswahl von Gardinen?
Ja, aber einer Reihe von Frauenfiguren Hasen- oder Katzenohren aufzusetzen offensichtlich nicht: Hauptsache es findet keine Modellierung statt, keine vermeintlich einseitige Proportionierung von Verhältnissen (vor Kameras – realen wie virtuellen). Denn sonst kommt sofort der Vorwurf einer Entmenschlichung, sogar lexikalisch sobald ein Objekt der Begierde imaginiert wird. Einfach nach diversen Wortkombinationen in dieser Hinsicht mal googeln – diese kulturelle Fremdenfeindlichkeit ist längst enzyklopädisiert (worden). Umgehend die eigenen klischeehaften Ideen über ein Sollen-Sein mit einem Realismus über rhetorische Tropen gespannt. Weil etwa Frauen sonst keine Menschen wären – (gerade) nicht so wahrgenommen werden könnten – angeblich.
Ein Journalismus nimmt das, derlei Fantasiefeindlichkeit, dann bereitwillig auf und schlägt jeden Einspruch dagegen sofort in die Flucht – mit Beschimpfungen usw. Gegen andere die sicher nicht immer besser darauf reagieren – was womöglich ihren ureigensten Geschmack betrifft. Deren Appetit und Empfinden – was wiederum nicht verstanden wird wenn Intellektualität schonmal lediglich auf Zurückhaltung und distanzierter Analyse reduziert erscheint. Dann sind diese Anderen schnurstracks die rückständigen Barbaren, die Neandertaler welche es per theoretischem Schutzwall abzuwehren gelte. Der eigene Hass bleibt vielfach bloß gegen den zu verhindernden dieser Anderen stehen, oder auch nicht – die Seite von Frau Anhut konnte ich in den letzten Tagen nicht mehr finden.
Niemand will sich scheinbar für Fantasien stark machen, alle nur für eingebildet reale(re) Kompetenzen.

Nun, nicht nur ein Herr Spitzer wurde bei der ARD ausnahmsweise als „Missionar“ gegen bessere Wissenschaft hingestellt, anders als die Vorankündigung vermuten ließ, auch mein anderes persönliches Lieblingsfeindbild, die deutsche Videospielpresse, übt sich in diesen Tagen mal wirklich in Selbstkritik. So heißt es in der einzigen Zeitschrift die ich noch abonniert habe zur Abwechslung mal wahrhaft reflexiv: ‚Wenn viele Spiele den Fokus auf platzende Köpfe und abgetrennte Körperteile richten dürfen und damit beim Publikum gut ankommen – warum rümpfen wir dann spöttisch die Nase, wenn ein Titel wie „Dead or Alive 5“ eindeutig auf Sex-Appeal setzt? Weil Sex in unserer Gesellschaft weniger alltagstauglich ist als Gewalt und damit nackte Haut verpönter als die Metzel- oder Folterorgie?‘ (M! August 2012 40).

Auch die Kraft von Kommerzialität scheint glücklicher Weise letztlich unbeirrbar zu sein. Gegen solche Ansinnen tatsächlich widerständig, denn es wird ein heißer Beat’em Up-Herbst wenn auch Namco bei „Tekken“ erstmals auf Badeanzüge setzt. Für „Soul Calibur 5“ wurde entsprechender DLC längst veröffentlicht.
Mit (im Video zu -?- kurzer) Rücksicht auf die „Tekken“-Männer, obwohl ich Christie Monteiro bei den Schultern auch irgendwie dazuzählen würde. Und Panda, eine der wenigen Figuren die im Spiel für gewöhnlich vollständig nackt sein dürfen, hat so sogar mehr Textilien am Leib als sonst:

US-Homepage der Sonderausgabe von „Dead or Alive 5“, für 80 Dollar/Euro –
Zwar ist dies alles (auch) eher eine 50er-Jahre-Katalogerotik die sich da zaghaft durchsetzt. Die „Rumble Roses“ blieben ihrer Zeit auch beim doppelten X stehen und eine Juliet Starling bleibt aktuell anders als die Girls in der „Onechanbara“-Trashart frei von Zombieblut – was die deutsche USK wiederum mit einer Jugendfreigabe gewürdigt hat. Nur falls sich jemand gewundert haben sollte: Sauberkeit die bereits in den 1920ern im Reichstag wohl goutiert worden wäre und der im Land immer noch mit Applaus begegnet wird, etwa von Matthias Jamnig bei GamingXP
In den USA ist das teilweise ja noch viel schlimmer: was ich von dort, auch an völlig unerwarteten Fachpressestellen, schon alles über „Dead or Alive“ las… Siehe etwa letztes Jahr meine Ausführungen zu schwitzenden „Perversen“ in Untergeschössen. Wird „Dead or Alive 5“ erstmal erschienen sein wird da auch sicher wieder noch mehr kommen. Weitere Kommentare erspare ich mir so aber schonmal vorsorglich – es ist sowieso immer das Gleiche an Verachtung gegen ein (womöglich auch nur angenommenes) videospielendes, heterosexuelles – wenn schon nicht gleich pädophiles – männliches Publikum. Auch bei MTV gelten Massage-Fantasien in „Yakuza“ taxfrei als „creepy“ – warum auch immer.
Die ungeniert beworbenen Anzüge sind immerhin ein positiver Anfang: zudem kommt die über ihre Sexualität vermeintlich unseriöseste Prügel-Franchise vom nunmehrigen Tecmo-Koei, die – in Deutschland freigegeben ab 12 Jahren – in Skandinavien bekanntlich schonmal als „Kinderpornografie“ wahrgenommen und pönalisiert wurde, mit Unterstützung der vemeintlich Seriösesten, SEGAs „Virtua Fighter“, daher. Brustwackel-Simulation trifft noch prätentiösen Kampfsport-Ernst. Etwas besseres an Dialektik könnte ich mir gar nicht einfallen lassen – danke Japan!

Dass sich eine Berichterstattung über Videospiele jedoch nicht unbedingt bessern muss, wenn sie auch trotz relativer Aufgeschlossenheit erstmal gewisse Bahnen eingeschlagen hat, beweist wieder mal diese Boulevard-Meldung über einen „Gaming-Exzess“ von Herrn Wilhelm. Gemäß den Standard-Regeln ist das dortige Forum bei einem Todesfall geschlossen. Beim taiwanesischen „Diablo III“-Spieler wie bei Kurt Waldheim vereinte Nationen. Da es sich jedoch um keinen Prominenten handelt wurde naturgemäß ebenfalls kein virtuelles Kondolenzbuch für den Gamer eingerichtet. Ja, so können Ressentiments über (selbst)mörderische Videospiele auch am Kochen gehalten werden und gegen die Kultur Einzelner gearbeitet. Gewissermaßen für den Unbekannten Videospieler, der sein Leben wegen dem Teufelszeug gelassen hat. Immer und immer wieder von Neuem sich was einfallen lassen an „Kritik“…

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