Ersteindruck „Splinter Cell – Blacklist“ (2013)

„Blacklist“ lässt inhaltlich hoffen, dass Ubisoft auch das kommende Clancy-Großprojekt „The Division“ künstlerisch hinbekommen wird: ähnlich wie in „Medal of Honor“ und „Homefront“ wird auch mit dem neuen Sam Fisher ein konsequent unsympathischer Shady Character inszeniert, werden trotz konventionellem Action-Genre große Zusammenhänge darzustellen versucht – die Story verläuft ähnlich wie im zweiten Teil „Pandora Tomorrow“ aus dem Jahr 2004.
Doch wie auch Stephen Totilo in der New York Times schreibt, kommt zwar etwa Gitmo im Spiel vor, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Während – analog zu konservativen Fernsehshows wie „24“ früher – Folter weit ausgebreitet wird. Für mich ist der Fall ja eigentlich ganz klar: fast scheint es so als ob die Lizenz einfach nicht mehr Kommentar zulässt. Ein Hadern das ich schon bei „Double Agent“ 2006 verspürte, und erst recht nach der Ankündigung von „Rainbow Six – Patriots“. Wer weiß wieso bei dessen Produktion jetzt vorläufig scheinbar überhaupt nichts mehr weiterging.
Die Frage bleibt weshalb sich Ubisoft der Lizenz des immer reaktionärer gewordenen Herrn Clancy nicht endlich mal entledigt – dessen Spiele haben in letzter Zeit sowieso nur mehr kaum zu dessen jüngeren literarischen Ergüssen gepasst: sie sind einerseits mittlerweile viel zu „korrekt“ ausgefallen, andererseits weniger rassistisch. Das altbekannte Hollywood-Problem aus der „The Sum of All Fears“-Drehbuchadaption. Und abseits von den Beschreibungen und Ästhetisierungen einer Militärtechnik hatten die Spiele mit den mitunter ja auch sympathischen Clancy-Motten, wie etwa dem stereotypen US-Außenblick auf das veraltete Europa, kaum etwas zu tun. Sam Fisher ist etwa auch nie wirklich ein Familienmensch wie dessen Aushängeschild Jack Ryan gewesen. Und gerade die „Splinter Cell“-Spiele waren über das Ubisoft-eigene Outsourcing schon früh ein Paradebeispiel für globalisierte Videospielproduktionen: man erinnere sich nur an die allererste phänomenale PS2-Version aus Shanghai 2003, also vor genau zehn Jahren. Und in meinen Augen immer noch das vorbildliche Wunderwerk von einer gelungenen Microsoft-Portierung.
Die Stärke von „Splinter Cell“ war dabei seit eh und je seine Bandbreite. Das letzte Spiel „Conviction“ von 2010, dessen erste Inkarnation (unten) 2007 noch ganz anders aussah und heutzutage eher an das kommende „Watch Dogs“ erinnert, war zwar technisch brillant und äußerst physisch gestaltet worden, wies dafür aber nur mehr wenig Handlungsspielraum auf und konnte bei Zeiten wie ein interaktiver Film wirken. Dessen „Mark & Execute“-Steuerung wurde zwar auch in „Blacklist“ übernommen, wird während des Spiels nun aber nicht mehr aufgedrängt.
Das heißt für das Gameplay: „Blacklist“ schreibt, gerade auf der Wii U, Komfort groß, und ist dennoch vielfältig. The Best of Both Worlds quasi –
Technisch sollte Nintendo wirklich ein Wii-U-Bundle mit dem Spiel auch anbieten: selbst Digital Foundry sieht ohne Festplatte zwar ebenfalls auf der Nintendo-Konsole Ladeprobleme beim Bildaufbau (Zusammenfassung bei Nintendo Life), doch insgesamt fällt auch beim PC-Technokratie-affinen Eurogamer das Gesamturteil einigermaßen positiv für die Wii U aus: „Of course, we can’t overlook the potential advantages of Wii U’s extra second screen.“

Besetzungsdebakel

„Splinter Cell – Blacklist“ weist einen neuen Darsteller in der Rolle des Sam Fisher auf. Eric Johnson heißt der 34-jährige Kanadier (aktuelles Interview von Adam Sessler) welcher Michael Ironside („Total Recall“, „Free Willy“, „Starship Troopers“) ablöste (mit „Bad Poetry“ bei Kotaku).
Der Grund dafür war ein Umstieg in Richtung One-Performance-Capture bei der von der ehemaligen „Assassin’s Creed“-Produzentin Jade Raymond in Toronto geleiteten Entwicklung (Interview vor einer Woche beim Telegraph). Und Ironside ganz einfach auch zu alt für den Job.

Johnson spielt den gegenüber „Conviction“ drastisch verjüngten Fisher dabei mit seinem anderen Gesicht betont ruhig und stoisch. Von Ironside’s typischer Mischung aus Furcht und Aggressivität ist nur wenig übrig geblieben. Für Manche klingt er pejorativ wie ein College-Bubi, obwohl er auch in „Blacklist“ seine erwachsene Tochter Sarah hat und damit klar als Ü-40 imaginiert wurde. Für mich hört er sich einfach nur gelangweilt und monoton an.
Immerhin vertont ihn auf Deutsch immer noch gewohnt gut Martin Keßler (Nicolas Cage, Vin Diesel). Dafür sind dort die Nebensprecher wie gehabt unterirdisch.

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