„Hers and His“?

Kommentar: ‚Ja, so wie bei Blizzard von zuletzt auch nichts von „oversexualization“ stand, sondern „Hypersexualisierung“ – nicht gleichbedeutend mit der Übersetzung. Ich hatte vor einiger Zeit auf meinem Blog diesen Xbox-One-Spot zu „Dead Rising“, den ich damals
sehr gelungen fand: http://www.youtube.com/watch?v=Vn5u_RJO7YY Darin sieht ein „Mann“ zunächst Fußball, bevor eine „Frau“ kommt und ihn verdrängt um eben „Dead Rising 3“ zu spielen. Sie scheucht ihn daraufhin wie die Kinect-Kamera herum und er reagiert wie ein Roboter, holt ihr Bier etc. Doch wäre der „Mann“ eine „Frau“ und die „Frau“ ein „Mann“ gebe es hier schon wieder einen Artikel, einen Riesenskandal um misogyne Zustände bei dem Redmonder Konzern, der gesamten zugehörigen Industrie etc.
Weil es eben nicht um Neutralität geht, sondern „Frauen“-Bilder als ständige Opfer
Dies umständliche Schreiben im Rahmen der Microsoft-Kampagne wäre mir dabei gar nicht aufgefallen, obwohl es wahrscheinlich ähnlich mit Geschlechterrollen spielen wollte.‘

Sowie zwei weitere Repliken von gestern: ‚Ich habe nirgendwo behauptet, dass ein Publikum „alles Männer“ wären: wenn ich „Atelier“, mein Gegenbeispiel von unten, spiele, werde ich deshalb auch nicht zu einer „Frau“. Und genauso gut können „Frauen“ auch „Starcraft“ spielen. Fragen Sie
sich dafür einmal was das ständige Gerede über ein „Frauenbild“ eigentlich soll – wieso Frauen überhaupt auf ein „Bild“ festgelegt werden sollten, das Ihnen vielleicht „realistisch“ gefällt oder (über-)“sexualisiert“ dann halt nicht. So als ob „Frauen“ selbst keine sexuellen Wesen wären, aber in Ihrer Vorstellungswelt dafür umso mehr „Männer“.
Absurd mir vorzuwerfen eine „Sexualisierung verteidigt“ zu haben, denn was ich schon als sexuell definiere brauche ich erstmal gar nicht weiter „sexualisieren“.
Und die zynische Ignoranz nicht zu wissen was diese Ihre einseitigen Körperbilder über „Männer“ und „Frauen“ mit meinem Hinweis auf Körpern die nicht Ihren Normen entsprechen zu tun hätten, zentraler Bestandteil Ihrer lästernden Verhöhnungen.
(…)
Was auch immer Sie glauben „Interaktion“ wäre und mir jetzt mit „Philosophie“ oder sonst was unterstellen wollen. Das sind Ihre Schimpfworte, die Sie vor Ihre Anonymität stellen. Ich „wittere“ gar nichts. Ihre Worte sprechen für sich selbst.
Und wenn dann auch die Verschwörungstheorie einer misogynen Videospielindustrie durch die Redaktion – mit ihren beliebten TäterInnen-Opfer-Umkehrungen.
Ich äußere mich bei meiner „Kritik“ jedenfalls nicht dermaßen pauschal über auch nur irgendwelche mir missliebigen Inhalte, darüber was mir nicht gefällt und stelle gemeinsame Sachen in Raum. Das könnte ich allein mit meinem Gewissen nicht vereinbaren.
Und wenn ich etwas nicht „verstehe“, wie Sie ständig von sich selbst sagen, dann bewerte ich es nicht trotzdem und äußere andauernd meine Vorurteile – wie Sie und Ihresgleichen hier oder woanders.
Bestehen bleibt der rassistische Tenor des Gesunden und Normalen, des Angepassten, wobei das als „Tugend“ sowieso höchstens nur eine Einbildung ist.‘

„His and Hers“

Von der Publikumsbetreuung bei der Zeitung wurde ich darüber hinaus um eine ausführlichere Stellungnahme zu meinen früheren Äußerungen gebeten. Ich gehe zwar wie üblich nicht davon aus, dass ich dort „nachvollzogen“ werden kann und habe bislang auch erwartungsgemäß keine Antwort erhalten, aber wenn ich schon gefragt wurde schrieb ich halt trotzdem – was ich hiermit wie angekündigt auch auszugsweise veröffentliche. Zumal ich den „KSI“-Artikel noch juristisch prüfen lassen würde: ‚Im Folgenden beziehe ich mich auf zwei Artikel vom 25. November 2013.
Der erste, von 12:17 (…), soll offenbar auf die Reaktionen nach einem Vorfall auf einer Videospielmesse im Jahr 2012 Bezug nehmen, welcher sich um ein Video dreht in dem es zu misogynen Übergriffen an Besucherinnen dieser Messe gekommen sein soll. Der „Täter“, oder wie auch immer der inkriminierte Autor dieses Videos zu bezeichnen ist, wäre ein Unterhalter von der Plattform YouTube gewesen, wobei im Artikel selbst noch lediglich von „Sexismusvorwürfen“ die Rede ist – während in der Headline der Autor längst als „sexistischer Youtuber“ tituliert wurde. Illustriert wird der Artikel mit einem Video zweifelhafter Herkunft.
Als Leser Ihrer Zeitung weigere ich mich ethisch bereits dieses Video auch nur aufzurufen, weil dessen Veröffentlichung ganz sicher nicht im Sinne dessen ursprünglichen Autors ist. Tatsächlich wird im Artikel auch darauf hingewiesen, dass das Video von dessen Seite entfernt wurde. Es stellt sich mir als Kulturwissenschafter hier die Frage ob diese Form der Berichterstattung nicht bereits strafrechtlich relevant im Sinne der „Üblen Nachrede“ (§ 111 StGB) sein könnte.
In Kommentaren im Forum wird daraufhin ebenfalls über den kulturellen Hintergrund des „Täters“ (Hip-Hop) gemutmaßt, sowie mitunter über dessen Hautfarbe gesprochen, welche auch in einem den Artikel begleitenden Bild zu sehen ist. In der Bildunterschrift heißt es zudem: ‚Olajide „KSI“ Olatunji zählt mehr als vier Millionen Fans bei Youtube‘, das heißt obwohl der Text noch darauf hingewiesen hat dass das Video entfernt wurde bleibt der Autor als „Sexist“ mit potentiell vier Millionen SympathisantInnen im Raum. Erklärt wird dieser Umstand jedoch nicht, das heißt welche Inhalte den Täter/Autor über das entfernte Video hinaus als „Sexisten“ kennzeichnen würden, beziehungsweise welche weiteren Übergriffe auf dessen Kanal eigentlich veröffentlicht geblieben worden wären – geschweige denn weshalb Konzerne wie Microsoft oder Electronic Arts mit ihm (ansonsten) überhaupt werben wollten.

Im zweiten Artikel, von 15:15 (…), wird in erster Linie auf dieses Interview (…) Bezug genommen. Darin wird ein Kreativer aus der Videospielindustrie mit Vorwürfen einer „Hypersexualisierung“ von Charakteren konfrontiert, wobei das Interview eindeutig unter Vorbehalten geführt wurde. So wird dem eigentlichen Interview ein Text vorangestellt, indem bereits pathologisierend von einer „Epidemie“ dieser „Hypersexualisierung“ die Rede ist. Der Ausdrucksform des Videospiels werden offenbar ab einem gewissen Grad keine sexuellen Inhalte zugestanden, sondern diese anscheinend ausschließlich als aufgedrängte „Sexualisierungen“ verstanden.
Mit den Vorwürfen konfrontiert reagierte der Kreative offensichtlich perplex und wusste sich anscheinend nicht zu artikulieren oder wollte den Vorwürfen lediglich beipflichten. Jedenfalls fielen seine Antworten im besten Fall zustimmend aus: „Well, I mean, some of these characters, I would argue, are already hyper-sexualized in a sense. I mean, Kerrigan is wearing heels, right? We’re not sending a message to anybody. We’re just making characters who look cool. Our sensibilities are more comic book than anything else. That’s sort of where we’re at. But I’ll take the feedback. I think it’s very fair feedback.“ Daraufhin wurde ihm normativ nahegelegt, dass die Comickultur keinen Vorbildcharakter in dieser Sache hätte, woraufhin er politisch überfordert reagierte (We’re not running for President) und das Interview scheinbar abgebrochen wurde.
Von einer „Rechtfertigung“, wie es im Standard-Artikel dazu heißt, kann aus meiner Sicht jedenfalls keine Rede sein. Im Gegenteil wirkte der Kreative eher hilflos und ideologisch massiv eingeschüchtert. Bezeichnend an dem Artikel im Standard ist aus meiner Sicht vor allem, dass dessen Gegenstand, die Figur Sarah Kerrigan (Kerrigan) gar nicht namentlich erwähnt wird. Der in diesem Zusammenhang häufig vorgebrachte Vorwurf einer entpersonifizierenden „Objektfizierung“ von Frauen(figuren) wirft sich demnach eindeutig auf den Standard-Artikel selbst zurück.
Für äußerst fraglich halte ich darüber hinaus auch die Übersetzung einer „Übersexualisierung“ im Artikel. Im Original-Interview ist nicht (nur) von unangemessenen „Sexualisierungen“, wie es die Vorsilbe „über“ ausdrückt, die Rede, sondern einer graduell als extrem bestimmten Form davon – eben mit dem Prefix „hyper“.

Schließlich stellt sich bei diesen Vorwürfen eines schon extremistischen Ausdrucks in Videospielen die Frage wie verhältnismäßig diese Form der „Kritik“ daran überhaupt noch sein kann: ich erinnere, dass es hier in erster Linie um Mode wie die genannten Schuhe (heels), oder in einem den zweiten Artikel illustrierenden Bild auch ein Beinkleid, der Frauenfigur Kerrigan geht. Gerade wenn ich diese nicht nur völlig unkritisch kolportierten, sondern wie beschrieben auch dementsprechend verlängerten Empörungen und Inkriminierungen mit weitaus expliziteren Zeichnungen eines Egon Schiele, anderen etablierten Darstellungen eines Gustav Klimt, in Beziehung setze, gewinne ich den Eindruck einer diese Kreativität überaus diskriminierenden, antimodernistischen, mit zweierlei Maß messenden Agenda in Hinblick auf Videospiele. Über Täter/AutorInnen wie „KSI“ soll deren angeblich entwürdigender Charakter dann offenbar noch verstärkt werden und ein Millionenpublikum gleich verschwörungstheoretisch in die Nähe von sexuellen Übergriffen, regelrechten Straftaten, gerückt. Hinzu kommt, dass diese keineswegs geschlechtsneutral vorgetragen werden und dahingehend mit einiger Begründung sogar selbst überaus sexistisch sind: so wird nur den populärsten Videospielen vorgehalten, dass sie ihr Publikum als heterosexuell-männlich begreifen, aber anderes nicht berücksichtigt, weil es nicht so bekannte Spiele betrifft und deshalb bei einem Online-Medium auch zu weniger „Klicks“ und boulevardesken „Aufregern“ führen würde, ökonomisch nicht entsprechend rentabel wäre. Eine Kalkulation welche ich in Games-Artikeln beinahe wöchentlich wahrnehme. Doch letztlich tut diese Argumentationsfigur selbst auch nichts anderes, als heteronormativ über partriarchale Muster für Frauen Normen festzulegen, wie sie in Videospielen (nicht) dargestellt werden sollen, gekleidet sein dürften, sich verhalten, wobei weniger populäre Titel wie die „Atelier“-Rollenspiele welche hereosexuelle Frauen mit entsprechend ansprechend sein sollenden Darstellungen von jungen Männern bedienen, völlig unberücksichtigt bleiben, das heißt Darstellungen von Männern allein prinzipiell nicht inkriminiert werden.
Dabei wird heterosexuellen „Männern“ grundsätzlich nicht zugestanden sich sexuell in Videospielen über „Frauen“ selbst zu äußern, denn das wird scheinbar als zu „einseitig“ abgelehnt, wobei dahingehend auch in deren Sexualität eingegriffen werden soll. Stattdessen wird ein Ideal gleichwertig funktionierender Körper imaginiert, welche ich gerade als Mensch mit Behinderung persönlich nur als überaus existenzbedrohlich begreifen und politisch einordnen kann. Alternative Sexualitäten, andere Lebensweisen jenseits bürgerlicher Normen, werden einer Lächerlichkeit preisgegeben, als „unreif“ gebrandmarkt, einer Leistungsgesellschaft untergeordnet, ab- und ausgegrenzt, sowie letzten Endes einer potentiellen Verfolgung in der Gesellschaft preisgegeben. Eine Stigmatisierung und Unterscheidung welche sich etwa in Opinion Pieces wie diesem Artikel vom 8. September 2012, 10:13 von Ihrem Autor Zsolt Wilhelm äußert und fortsetzt. Darin kommt dies besonders dann zum Vorschein, wenn es bei „Erotik“ um deren „Echtheit“ geht, welche auch wieder mit Gewalt pathologisierend in Zusammenhang gebracht wird: (…)
Dabei gibt es scheinbar keinerlei Platz für jegliche Ambiguität, alle Ambivalenz soll offensichtlich außen vor gelassen werden. Was zählt ist nur ein funktionierendes, „gesundes“ Sein – andere Leben mit „falschen“ Gefühlen offenbar nicht.
Auf Zusammenhänge mit anderen kriminalisierenden Formen dieser „Kritik“, wie etwa dass Videospielinhalte vorsätzliche Gewaltverbrechen gutheißen oder begünstigen würden, beziehungsweise diesen gedanklich vorgelagert wären, kann ich an dieser Stelle zeitlich schon gar nicht näher eingehen. Bereits in meiner Dissertation (88f.) äußerte ich mich dahingehend über diese Strategie einer relativ zwar vorhandenen, in der Sache aber nur scheinbaren Aufgeschlossenheit gegenüber Videospielinhalten wie Sie heute Ihr Autor Zsolt Wilhelm vertritt. Damals Alois Pumhösel (…)
Dass Ihre Zeitung als einziges Tages-Breitenmedium Österreichs täglich ausführlich über Videospiele informiert ist zwar löblich, hindert Ihre Redaktion aber offensichtlich nicht daran, im politischen Kern diesbezüglich Denunzierungen, Diffamierungen, Diskreditierungen über unliebsame Ausdrucksformen vorzubringen und deren Anerkennung letztlich womöglich auch längerfristig und weiterhin zu verhindern. Vorurteile und Ressentiments im Namen einer „kritischen Berichterstattung“ hoch leben zu lassen, aber Vielfalt und Inklusion jenseits von Schubladisierungen und beschönigenden Etiketten erst unmöglich zu machen.‘

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