Kommentar zum DCP

Beim VDVC: ‚Dass Förderungen an wirtschaftlichen Erfolg geknüpft sind, glaube ich nicht. Es wird schließlich auch Möglichkeiten für Titel geben, die in keiner breiten Öffentlichkeit stehen.
Andererseits ist es sicher fraglich, weshalb ein „The Witcher“ oder „Game of Thrones“ schon EU-Gelder bekamen: es ist nur so, dass sicher dieser Hauptpreis des DCP zusehends in Richtung einer unausgesprochenen „Erwachsenenkategorie“ entwickelt hat, während die Unterscheidung zwischen „Kinder-“ und „Jugendspiel“ vemutlich immer unklarer wurde. Unter anderem.

Denn auch wenn es in anderen Medien abseits eigener Preise wie „Kinder- und Jugendbuchpreise“ keine dezidierten Ansagen gibt, didaktische Überlegungen spielen bei fast allen renommierten Medienpreisen eine mehr oder weniger große Rolle. Es gibt schließlich auch Erwachsenenpädagogik.
Diese Überlegungen sind auch mit einem gewissen Ruf verbunden, der zur Differenzierung und Abgrenzung zu anderen Preisen dient. Man denke nur an die Berlinale unter Dieter Kosslick.
Nur beim Medium Computerspiel meint man das noch zusätzlich betonen zu müssen. Und diese Überlegungen bestimmen auch, wer längerfristig dort Erfolg hat, das heißt wer eher marginalisiert wird. So hatte im Filmbereich ein Jean-Luc Godard, der einen sehr didaktischen, teilweise auch „realistischen“ Zugang zum Medium Film hat – gegenüber anderen wie Jean-Claude Brisseau oder Alain Robbe-Grillet, bei denen Themen wie Gewalt und Sexualität immer andere Funktionen einnahmen (wodurch sie das moralische Stigma erhielten davon „besessen“ zu sein usw.) – immer mehr Ansehen und Anerkennung, bekam den Vorzug bei Chancenvergaben etc. War und ist letztlich auch bekannter, respräsentativer, herzeig- und vertretbarer für (etablierte) Politik und Öffentlichkeit geworden.
Die Existenz dieses Preises sollte aber auch einmal gelobt werden: so tu ich mir etwa äußerst schwer damit einen zweiten zu finden, der damit auch nur annähernd vergleichbar wäre. Ein anderes Land außer Deutschland, wo Videospiele auf Regierungsebene noch dermaßen gefeiert werden.‘

2016: ‚Diese Preispolitik ist allerdings bedenklich: zusammen mit „Lords of the Fallen“ letztes Jahr lässt sich da schon ein gewisser Trend feststellen – es wird nicht das beste, sondern das jeweils größte deutsche Spiel in einem Jahr ausgezeichnet.
2015 ein extrem epigonales Werk, das aber als praktisch einziger „Souls“-Klon von Rang international trotzdem reüssieren konnte, der funktionalistischen Presse sei Dank. Heuer einer der wenigen verbliebenen Windows-Blockbuster, obwohl er in der Publikumswertung weitgehend durchfiel, die andere Resonanz – das positive Presseecho wie inhaltliche Zuschreibungen – jenseits von Korruption erstmal begründet werden bräuchten: da hätte fast genauso gut „Might & Magic Heroes VII“ gewinnen können – wärs kein unliebsamer Fantasy-„Kitsch“ gewesen…
Es geht eben nicht um Anerkennung, sondern um Repräsentation – und da will vor allem „die Wirtschaft“ repräsentiert werden: der DCP ist und bleibt ein kommerzieller Preis.
Als Grund sehe ich auch hier in erster Linie die nicht nur partiell vorherrschende, sondern alles dominierende Empirie: während die kulturell versierten Leute dort ohnehin nur eine „kritische Distanz“ zum Medium pflegen – zwischen wohlfeil kalkuliertem „Indy“ und utilitaristischem „Serious“.
Wenns weiter so geht hat das noch nicht angekündigte „X4“ so auch noch Chancen: auch kein „Ego-Shooter“, also ebenfalls im Sinne von ARD, Dirk Riegert und Co., aber dafür von Egosoft.
Auch wenn darin zweifellos geschossen werden wird. Und ja: „Akzente“ werden so, ohne jegliches Kulturverständnis, jedenfalls sicher nicht gesetzt – auch in den kommenden Jahren nicht. Die welche das „kritisieren“ sind mit ihrer fundamentalen Ab- und Ausgrenzungspolitik sämtlicher Andersdenkender aber schon selbst Schuld an der Misere. Denn wer bei aller oberflächlichen Polemik und farbenprächtig ablehenden Urteilsblödsinn, sowie paternalistisch ach so „sozialethisch“ legitim orientiertem Unrat, zwischen den Zeilen liest merkt schnell, dass dort überall noch immer dieselben „Killerspiel“-Ressentiments vorherrschen, zwischen „lazy design“ und „ludo-narrativer Differenz“, jedenfalls dann wenn es darauf ankommt – nicht wenn es darum geht ein „Killerspiel“ repräsentativ zu prämieren…

(…)

Das Problem sind einerseits Förderungen nach dem Gießkannenprinzip, andererseits kategoriale Verdrängungen. Soll heißen: um gute Spiele auszeichnen zu können, müssen selbige erstmal hergestellt werden.
Und einerseits wurden Daedalic-Produktionen in den Kinder/Jugendbereich aussortiert, andererseits hatten innovative Entwicklungen wie „Trauma“ deshalb wohl keine Chance auf den Hauptpreis. Erwünscht ist in erster Linie was kommerziell erfolgreich ist, oder repräsentativ – wie letztes Jahr das Mobilspiel von der Nemetscheck-Stiftung.

2012 hätte ich etwa auch eher „Anno 2070“ aus genau dem Grund den Preis gegeben, und nicht „Crysis 2“ – in beiden Fällen stellte ich 0 inhaltliche Beschäftigung mit den Preisträgern fest, wobei „2070“ deshalb zu mehrdeutig und ambivalent ausgefallen ist – die Diskussion hatten wir ja schonmal. 2016 wäre ich dafür nicht einmal auf die Idee mit „2205“ gekommen – wie ich schon schrieb: da hätten sie auch das neue „Heroes“ prämieren können, von dem unter den Nominierten jede Spur fehlt – obwohl es hier im hessischen Langen entstand http://www.limbic-entertainment.de . Wenn kein Spiel wirklich preiswürdig ist, dann sollen sie das auch zugeben: so sieht es aber aus, als ob selbst die Nominierungen der größeren Spiele Konzernangelegenheiten wären – wo etwa zwei Sachen von Ubisoft einfach nicht drin wären. Während bei den kleineren, den „Indies“, dann wieder andere Institutionen das sagen hätten – sich alles so aufzuteilen. Ginge es jedoch um die Spiele, wäre es egal wer was gemacht hat: in unserer globalisierten Welt ist die kreative Herkunft eines Mediums oft ohnehin nicht genau zu lokalisieren.
Sowie… „Deponia“ „2“ dürfte im darauffolgenden Jahr ebenfalls nur gewonnen haben, weil „Deponia“ erfolgreich gewesen ist – obwohl es als Fortsetzung nur mäßig originell gewesen sein dürfte. Dass „A New Beginning“ als einziger Daedalic-Originaltitel bislang den Hauptreis gewonnen hat, hing zweifellos auch mit dessen plakativem Umwelt-Topic zusammen. Obwohl die „Edna“-Spiele oder „Night of the Rabbit“ mit einiger Begründung künstlerisch hochwertigerer Ausdruck waren. Doch sobald etwas nur ansatzweise zu unangepasst ist, das heißt auch abseits von Oberflächlichkeiten wie Gewaltdarstellungen, scheint es einfach schon keine Chance mehr zu haben.‘

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