Zu den eigentlichen Inhalten von Computerspielen

Kommentare auf Steam (nicht öffentlich): ‚Ubisoft ist heuer bei der „History Collection“ bezüglich „Anno 1404“ (…) dazu übergegangen auf der Verpackung von einem „idealisierten, historischen Reich im Orient“ zu sprechen. Hab ich hier neben mir liegen (dürfte leider noch immer vergriffen sein). Wer sich ein wenig mit Geschichtstheorie auskennt weiß, dass das nur ein Wink mit dem Zaunpfahl sein konnte.
Hat mich doch ziemlich überrascht. Also die sind sich der „Debatte“, oder besser gesagt den Vorwürfen welchen sie da ausgesetzt sind, sehr wohl bewusst. Es sind wohl auch immer dieselben Akteure welche diese erheben – das war schon bei Release von „Anno 1404“ so, da hat das ganze eigentlich angefangen.

Wobei der Vorwurf einer Romantisierung sich etwa auch ganz allgemein gegen unliebsame Spiele wie Ego-Shooter richten konnte: mir hat damals einmal jemand ausgerichtet, dass keine Diskussion zum Thema Realität (und Fantasie bei Anno) erwünscht wäre.
Daraufhin habe ich mich ausgeklinkt. Als Nicht-Realist einfach zwecklos da mitreden zu wollen.

Es dürfte im Grunde übrigens kaum eine ahistorischere Spielereihe als „Anno“ geben, trotz Jahreszahlen im Titel: früher gab es nicht einmal erkennbare Nationalstaaten im Spiel und wenn auf einer Bierflasche „seit 18xx“ steht ist das auch keine Äußerung zur Historizität (der Brauerei), sondern soll nichts anderes als nostalgische Sentimente bedienen. Genau wie bei „Anno“.

„Anno“ wurde deshalb als Zielscheibe sozusagen „ausgewählt“, weil es über die Jahre die diesbezüglich prominenteste Marke im deutschsprachigen Raum blieb, (wieder) den Computerspielpreis erhielt usw. Aber die Spiele von Daniel Dumont sind zweifellos mit gemeint, nur sind die (von Kalypso) viel kleiner (und teilweise noch abstrakter).
Vielleicht sollte sich die Wahrnehmung weiterhin ändern: vor dreißig Jahren erhielten in der Videospiel-Presse etwa militärische Simulationen eine Aufmerksamkeit die heutzutage politisch unvorstellbar wäre. Und die wurden dann auch von Kindern und Jugendlichen (wie mir selbst) gespielt.

Bei der Fülle an Spielen die heute erscheinen wählen verbliebene große Zeitschriften wie die GameStar rigoros aus. Nur ein sehr kleiner Teil wird überhaupt besprochen: da wären zum einen aus kommerziellen Gründen die ganz großen Titel, zum anderen kleinere (Indies) die spielerisch entweder aus inhaltlichen und ästhetischen Gründen in den Kram passen, oder auf sonstigen Wegen eine gewisse Popularität erreicht haben – oft erst über einen längeren Zeitraum hinweg – sodass sie unter allgemein journalistischen Gesichtspunkten interessant wurden.
Ab und an mal werden Nischen etc. exemplarisch gestreift. Das meiste bleibt jedoch ignoriert.

Eine Rezensionskultur wie in anderen Medien üblich hat sich bislang dort einfach nicht herausgebildet – aus verschiedenen Gründen: einerseits haben die Festivals die es gibt mit dem restlichen Computer- und Videospiel-Markt nicht viel zu tun, andererseits sind „digitale Spiele“ grundsätzlich zu verschieden um von den einzelnen Interessen her als solche erfasst werden zu können. Soll heißen: vom eSport zum Charity-Game ist es oft ein sehr weiter Weg. Inhaltlich und gedanklich.

Eine Thematisierung wird wenn, dann auch immer nur im Kontext einer Mahnung, oder von Awareness, verstanden. Keiner ethischen Auseinandersetzung ohne moralischen Vorzeichen, sondern immer mit politisch eindeutiger Zielsetzung (wenn schon nicht Agenda/dogmatischer Zielrichtung).
In „Civilization – Call to Power“ von Activision gab es etwa Einheiten wie „Fascist“ und „Slaver“. Die Zeiten in denen das möglich war (1999/2000) sind vorbei.‘

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