„Microsoft Flight Simulator“: Xbox-Update für PC und Konsole

Die Performance-Vorteile durch das Sim-Update für den Xbox-Release letzte Woche (Sim Update 5) sind zwar deutlich spürbar, halten sich aber leider in Grenzen wenn nur in den höchsten Einstellungen gespielt werden möchte. Wunderdinge wie sie im Vorfeld teilweise in Aussicht gestellt wurden sind damit jedenfalls nicht unbedingt zu erwarten und Ernüchterung kann sich wieder schnell breit machen: mit meinem mobilen i7-10750h ist an 60hz selbst bei 1080p so weiterhin nicht zu denken (2070 Super, 115 Watt).

Eine (weitere) Verringerung der Auflösung bringt praktisch nichts, der CPU-Bottleneck ist evident: und der Titel dürfte dabei der einzige sein, der zwar über eine eigene NVIDIA-Kooperation für RTX-Grafikkarten verfügt (Marketing-Kampagne), aber kein RTX-spezifisches Grafik-Feature wie Raytracing oder DLSS unterstützt. Vor allem DLSS würde demzufolge wohl sowieso nicht soviel bringen, wenn unter dem Strich für hohe Bildraten vor allem die CPU-Leistung ausschlaggebend ist.

Hinzu kommt, dass der Simulator intern Probleme mit den im „Gaming“-Bereich üblichen Hochfrequenz-Displays zu haben scheint: nur 20 (!), 30 oder 60hz lassen sich in der Software regulieren, das dürfte mit diesen Monitoren und Frequenzen von 120, 144hz oder darüber grundsätzlich aber nicht funktionieren. So blieb mir nur der Umweg über Zusatzsoftware wie den „Afterburner“ von MSI samt „Riva Tuner Statistics Server“, den ich bislang nur am Desktop verwende. Da es sich beim „Flight Simulator“ 2020 jedoch um eine Windows Store-App handelt und auf die Executable-Datei somit nicht so einfach zugegriffen werden kann, konnte ich damit wiederum kein eigenes Profil anlegen und musste mit globalen Einstellungen vorlieb nehmen: da könnte ich auch gleich mit der Software des Treibers Settings manipulieren. Mehr als nervig.

Am Desktop habe ich in von vornherein höheren Auflösungen mit dem Ryzen 5600X, meinem bereits dritten 6-Kerner (mein erster war der i7-9750h im Macbook Pro 16), 60hz erst gar nicht anzupeilen versucht (wenn acht Kerne beim Simulator angeblich vorausgesetzt werden). Relevant bleibt in jedem Fall das Wetter: bei Regen brechen die Frameraten ein. Nach dem Update spürbarer als etwa die Wolkenkratzer von Manhattan: verbessert wurde demnach vor allem das Streaming größerer künstlicher Objekte in der Landschaft – (nunmehr) ohne große Unterschiede zwischen der Photogrammetrie New Yorks und den rudimentären (Offline-)Gebäuden.

Mit meinem 5K-Monitor, den ich für gewöhnlich verwende, sowie einer 3070 (20 Teraflops) musste ich für 30fps die Grafikauflösung zumindest auf 60% reduzieren was deutlich unter 4K liegt (75%) und eben nur zwischen WQHD (50%). 32GB RAM sind trotzdem Pflicht: der Speicher kann ruhig langsamer getaktet sein, Hauptsache das System kann in höheren Auflösungen sporadisch darauf zugreifen.

Eine weitgehend stabile Bildrate von 30hz zu erreichen sind für die Xbox Series X dagegen kein Problem: sie ist genau darauf ausgelegt. Nicht schlecht für eine nominelle Grafikleistung im Rahmen der 2080 (ohne Raytracing, 12 TFLOPS FP32). Gegenüber einem guten PC in Kauf genommen werden braucht ein mehr oder weniger auffälliger Mangel bei der Kantenglättung, vor allem an Flugzeugen. Laut Digital Foundry wird das 4K-Bild vom Fernseher dabei auf größtenteils WQHD-Auflösung reduziert (1440p): alles in allem mehr als akzeptabel und trotz höchster Ansprüche eine hervorragende Alternative.

Sogar die am PC sehr aufwändigen Reflexionen des Glases innerhalb der Cockpits werden auf der Konsole zumindest ansatzweise auch dargestellt. Und nein, um einen Raytracing-Effekt handelt es sich dabei nicht – vermutlich würde ein gleichwertiger RTX-Effekt sehr kostspielig für die Leistung werden.

Sämtliche Zusatzinhalte vom PC sind auf der Xbox dennoch nicht verfügbar: die allermeisten Flugplätze von Dritten wurden für Series-Konsolen S und X etwa gesperrt. Eine gute Idee: früher im Jahr legte ich mir als Lokalpatriot etwa den Grazer Flughafen (Thalerhof) zu. Die Bildrate kann dort um die Hälfte und mehr einbrechen. Am PC war das schon immer so, aber Konsolenqualität wäre dies nun mal nicht.

Die Flugsimulator-Industrie bedient sich übrigens bereits nach besten Kräften an der Errungenschaft des neuen Marktplatzes: die (für die Szene) relativ breite Öffentlichkeit (gratis mit Game Pass!) hat aber schon üble Geschäftemacherei angezogen. Viele Inhalte sind so bescheiden, dass sie in Form früherer Payware keinesfalls veröffentlicht worden wären – irgendwie sollte das kuratiert in den Griff bekommen werden. Qualitätskontrolle?

Mittlerweile weiß ich auch, dass die fiktiven Credits über die ich letztes Jahr schon berichtete den Sinn einer Trennung des Flugsimulator-Marktplatzes von der restlichen Microsoft-Infrastruktur hatten. Das Team welches den Simulator betreut hätte auf diese nicht einmal Zugriff, also Rückerstattungen können (theoretisch) wenn dann nur vom Flugsimulator-Betrieb selbst kommen. Eine gewisse Größe in der Organisation des Unternehmens „Flight Simulator“ war da also schon vorprogrammiert (samt unzähliger daran beteiligter Firmen). So hätte ich nicht gedacht, dass trotz aller vorhandenen Daten so wie früher wieder Meshes angeboten werden, aber für Neuseeland existiert tatsächlich bereits eine (eigene) zum gesonderten Erwerb am Marktplatz (der nicht öffentlich einsehbar ist).

Die Verwaltung der Zusatzdaten zwischen PC und Xbox dürfte darüber hinaus ein eigenes, nicht minder kompliziertes Unterfangen darstellen. Vorgestellt werden kann sich das in etwa so wie eine riesengroße Ausgabe des Creation Clubs von Bethesda. Mit dem „Flight Simulator“ ist bei Microsoft schließlich zum ersten Mal Software als bezahlbares Produkt für eine Videsopielkonsole erschienen, deren Einstufung als „Spiel“ wahrscheinlich nicht einmal mehrheitsfähig sein wird. Momentan hapert es am Marktplatz auf alle Fälle gewaltig: auch, dass die fünf bislang erschienen Welt-Updates (Japan, USA, GB mit Irland, Frankreich/Benelux und Skandinavien inklusive Island) dort kostenfrei gesondert erworben werden müssen mag organisatorisch nicht sinnlos erscheinen, einfacher gestaltet es das ganze Unterfangen (samt Kommunikation) aber bestimmt nicht. Ich selbst habe momentan diesbezüglich sogar eine Anfrage im Support offen: der Flughafen Kärnten (Airport Klagenfurt) hängt seit fast einer Woche in einem Purchase-Loop fest, nachdem ich den „Kauf“ auf der Xbox initialisiert hatte. Die fiktiven Credits wurden in Form realen Geldes bei Microsoft aufgebraucht, aber der Erwerb des Items gelingt der Software einfach nicht. Und ständig probiert sie es wieder ohne dass ich den Geschäftsbetrieb weiter nutzen könnte – im Zweifelsfall den Marktplatz deshalb besser meiden, bis diese Problemchen in der separaten Infrastruktur repariert wurden.

Wie dem auch sei: für den zweiten Teil meiner letztjährigen inhaltlichen Zusammenfassung werde ich wenigstens noch warten bis Ende des Monats das DACH-Update (Welt-Update 6) erscheint und die damals angekündigten Schwerpunkte gegebenenfalls noch adaptieren.

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