Westliche „Werte“? „Peach Beach Splash“ bekommt keine Jugendfreigabe in Deutschland (!)

Via dem YouTube-Kanal „Censored Gaming“: was der Kanal als „gute Nachricht“ verkaufen möchte ist eigentlich ziemlich verstörend – als erstem „Senran Kagura“-Titel hat die USK dem kommenden PS4-exklusiven Angebot „Peach Beach Splash“ nämlich die Jugendfreigabe verweigert (das betroffene Video ist oben an der dementsprechenden Stelle verlinkt). Das Jugendverbot ist sowohl beunruhigend als auch nicht überraschend: nach der Ablehnung von zwei Titeln letztes Jahr, wegen „Sexualisierung“ vermeintlich Minderjähriger, war es spannend wie es mit solchen Produktionen bei der augenscheinlich politisierten Stimmung hinter den Kulissen nun weitergehen wird. Jetzt, schon beim ersten „Fall“, wissen „wir“ es also: an eine Indizierung vergleichbarer Titel dürfte zwar auch in Hinkunft nicht zu denken sein (abgelehnt werden), leicht sollen es derlei Spiele in dem Land aber offenbar trotzdem nicht (mehr) bekommen – die Frage bleibt ob für Resteuropa die PEGI nachziehen wird: ein Eintrag für dieses siebente „Senran Kagura“-Spiel findet sich dort bislang noch nicht – alle sechs vorangegangen Spiele wurden „ab 16“ freigegeben (Autopsie 25.7.17 21:08 MESZ) – während „Senran Kagura“ von der USK, also formal letztlich den Obersten Landesjugendbehörden in Deutschland, früher teilweise sogar „ab 12“ durchgewunken wurde.

Wie eine leichte Änderung der Ästhetik in Richtung Latenz (und vermutlichem Pseudo-Platonismus) diesen deutschen „Jugendschutz“ jedoch dazu bringen kann, dass selbst eindeutige Darstellungen sexualisierter Kinder ohne jegliche Altersbeschränkung gegenteilig dennoch (oder gerade deswegen, wegen dieser Einstellungen/“Haltungen“!) veröffentlicht werden können, hat dafür ein anderer, mittlerweile erschienener, Titel gezeigt – eine Entscheidung über die ich schon im Februar schrieb.

Und eine ähnlich perfide Hypokrisie kann analog dazu auch bei der Kennzeichnung für den Taktik/Visual Novel-Mix „Utawarerumono – Mask of Deception“ beobachtet werden: mit einem weiteren PEGI-16-Siegel, aber bereits einem USK-6-Zertifikat – egal ob empirisch oder „nur“ vergleichend arbeitend… Eine Hand vors Gesicht zu halten, gepaart mit angemessenem Kopfschütteln, bleibt angesichts dieser „stark“ ignoranten Politik der „korrekten“ Verschleierung, dieses „liberalen“ Zudeckens, einzig garantiert. Nachlese: 1, 2

Comment: ‚It IS a change when all six prior „Senran Kagura“ titles were good to go for 16-year-olds, one („Senran Kagura 2“, Nintendo 3DS) even for ages 12 and up (!), and this title now is actually prohibited/banned for underage persons/adults only. Yes it got a rating, and yes, it can’t be considered to corrupt „the youth“ anymore, but USK-18 is still no piece of cake – including trade restrictions (once rejected in the US, historic Californian law http://edition.cnn.com/2011/US/06/27/scotus.video.games/index.html ) and so on. Please, finally, get your journalism right!‘ Vergleiche.

Neuer Kommentar (31. Juli): ‚Die Vorgänger erhielten allesamt Jugendfreigaben, einer – für den 3DS – war offenbar sogar schon frei ab 12 (!). In der Vergangenheit wurde von einem „erheblichen“ Unterschied im Gameplay erst dann gesprochen, wenn dieses entschärft wurde – war das durchwegs positiv gemeint.
Diese Umstände ändern sich nun – was auch immer darauf jetzt angewendet werden soll: meiner Meinung nach kann und soll die Feststellung „minderjährig“ da nur ein Vorwand sein um ganz andere Obszönitäten (sexuell unerwünschtes Verhalten) zu beseitigen. Dabei geht es hier wahrscheinlich gar nicht um irgendwelche BDSM-Inhalte, welche in der Franchise sowieso ein Novum wären, und ist so bereits eindeutig das Gegenteil der Fall: die älteren Titel hatten (bis auf das Kochspiel) eher physische Gewalthandlungen parat, während die Spielmechanik hier um Wasserpistolen (!) kreist – und wird ideell anscheinend schon von ganz anderen Dingen ausgegangen…

Das ist deshalb nicht bloß lächerlich und völlig übertrieben (maßlos), sondern vor allem eine rein politische und körperlich äußerst beunruhigende Entscheidung (Übung). Als Mensch mit Behinderung macht es mich persönlich betroffen und werte ich das als sexuelle Verfolgung.

Besonders bedenklich ist, dass diese Spiele zwar nicht indiziert WERDEN, aber dafür unbedingt indiziert werden SOLLEN. Vielleicht wäre es deshalb sogar besser die Verfahren würden scheitern, Kennzeichen komplett abgelehnt und Titel indiziert werden – dann könnte nämlich eine Diskussion darüber entstehen. So wird dieser Diskurs jedoch verhindert, im Keim erstickt und können „alle“ Beteiligten im Sinne des „Jugendschutzes“ und ihrem eigenen Selbstverständnis (und der Außenwahrnehmung) nach sich weiterhin als „liberal“ schätzen – während im Hintergrund die Verantwortlichen dazu bewegt werden solche Sachen „besser“ nicht mehr zu produzieren, um derlei Schwierigkeiten zu vermeiden.‘

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